Sport : Ribéry rotiert

Frankreichs Trainer Domenech will viel ändern

Matthias Sander

Seekirchen - Dünnhäutig und dickköpfig – so kennt man Raymond Domenech. Diesem Ruf wird der französische Nationaltrainer mit erstaunlicher Regelmäßigkeit gerecht. Er sei nur ein „einfacher Trainer“, der seinen Spielern „stupide Anweisungen“ gebe, antwortete er einem Journalisten nach dem 0:0 gegen Rumänien. Reinreden lässt sich Domenech ungern, sich in die Karten schauen aber noch weniger: Am Mittwoch regte er sich erst über Journalisten auf, die das Geheimtraining nicht respektierten, dann verlegte er die Trainingseinheit unangekündigt einige Kilometer vom üblichen Ort entfernt an den Genfer See. Nach einer „wahren Schnitzeljagd“ fand L'Équipe die französische Mannschaft – und sah Erstaunliches.

„Ich denke über vier Positionen nach“, räumte Domenech am Tag vor dem Spiel gegen Holland (20.45 Uhr) ein. Als gesichert gilt, dass das Sturmduo Nicolas Anelka und Karim Benzema heute nicht mehr von Anfang an auflaufen wird. Für die beiden sollen der nach einer Gesäßmuskelzerrung weitgehend genesene Thierry Henry und Sidney Gouvou spielen. Damit wird Domenech wohl vom 4-4-2- auf ein 4-2-3-1-System mit Henry als einziger Spitze umstellen, wie es sich bei der WM 2006 bewährte. Das kommt unerwartet: In der Saison 2007/2008 hat Domenech diese Formation nur bei zwei Spielen Ende 2007 und eine Viertelstunde lang beim 1:0-Sieg gegen Kolumbien vergangene Woche spielen lassen.

Auch die vermutliche Position von Franck Ribéry überrascht. Beim geheimen Geheimtraining am Mittwoch nahm der Bayern-Spieler den zentralen Platz in der offensiven Dreierreihe ein. Genau das fordern fußballinteressierte Franzosen schon lange einhellig. Gegen Rumänien hatte Ribéry noch nominell auf der ungeliebten rechten Seite gespielt, wechselte aber desöfteren auf die linke Seite. Die neue Rolle scheint den Stellenwert von Ribéry widerzuspiegeln, der sich nicht nur selbst als „Führungsfigur“ in der Nationalmannschaft bezeichnet. Rechts im Mittelfeld neben dem 25-Jährigen spielt wahrscheinlich Gouvou, der bei Olympique Lyon als Stürmer eingesetzt wird. Den linken Posten in der Dreierreihe wird wohl Florent Malouda einnehmen, der nach dem 0:0 gegen Rumänien heftig kritisiert wurde.

Eventuell könnte für ihn sogar Lassana Diarra spielen. Aber Diarra spielte im Training auch als rechter Außenverteidiger, dort also, wo gegen Rumänien noch Willy Sagnol spielte. Als linker Außenverteidiger wechselte sich Eric Abidal, der auch gegen Rumänien links verteidigte, mit Patrice Evra ab. Gut möglich also, dass die französische Elf heute Abend ganz anders aussieht als gegen Rumänien. Muss aber nicht sein: Bei dem notorischen Zyniker Domenech weiß man nie genau, wann er etwas ernst meint. Matthias Sander

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