Sport : Richthofen: „Die CDU enttäuscht“

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Herr von Richthofen, sind Sie schon aus der CDU ausgetreten?

Nein, ich bin Parteimitglied, seit ich Student war. Da tritt man nicht so schnell wieder aus.

Auch wenn die eigene Partei nun gar kein Sportprogramm zur Bundestagswahl vorlegt?

Ich kenne die Ankündigung der Union, ein Programm zum Sport vorzulegen. Und ich kenne seit Freitagabend das Ergebnis, dass da nichts kommt. Das enttäuscht mich sehr – vor allem angesichts der Tatsache, dass es in der Unionsspitze Politiker wie Wolfgang Schäuble gibt, die sich im Sport gut auskennen. Für eine große Volkspartei ist es nicht gerade rühmlich, die gesellschaftspolitische Verantwortung des Sports zu ignorieren.

Trauern Sie als Präsident des Deutschen Sportbundes jetzt schon der rot-grünen Bundesregierung hinterher?

Zunächst einmal: Auch das SPD-Wahlprogramm in Sachen Sport ist eher dürftig. Da könnte mehr drinstehen – etwa zu der Frage, wie sich der Sport angesichts der Umbrüche auf dem Markt der Sportwetten finanzieren soll. Aber immerhin gibt es öffentlich formulierte Ziele. Und ich will nicht verhehlen, dass wir mit der jetzigen Bundesregierung gut zusammengearbeitet haben. Der Leistungssport ist von Haushaltskürzungen weitgehend verschont geblieben.

Hat sich Innen- und Sportminister Otto Schily nicht ein wenig zu sehr in die Autonomie des Sports eingemischt?

Herr Schily hat mit deutlichen Worten eine effizienteren Aufbau der Sportorganisationen gefordert. Das ist sein gutes Recht als Minister. Die Fusion zwischen Deutschem Sportbund und Nationalem Olympischen Komitee ist jetzt auf einem sehr guten Weg, die neue Satzung haben wir gerade verabschiedet. Schon im Dezember werden wir den Zusammenschluss vollziehen. Herr Schily wird dann sicher wieder dabei sein, als Ehrengast natürlich.

Haben Sie sich schon einmal mit Schilys politischem Konkurrenten Günther Beckstein von der CSU über Sport unterhalten?

Wir haben einmal gemeinsam den Berliner Olympiastützpunkt besucht. Das ist allerdings drei Jahre her.

Die Fragen stellte Robert Ide.

Manfred von Richthofen, 71 , ist seit elf Jahren Chef des Deutschen Sportbundes. Er bezeichnet sich selbst als „obersten Lobbyisten“ des Sports in Deutschland.

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