Sport : Richtig abbiegen

Friedhard Teuffel erklärt, warum Erik Zabel eine letzte Chance verdient

Friedhard Teuffel

Sieht so ein Neuanfang aus? Ein Profi, der bei der Tour de France, dem wichtigsten Radrennen der Welt, betrogen hat, darf einfach so weiterfahren? Und hat Erik Zabel überhaupt schon die ganze Wahrheit gesagt, als er unter Tränen einen einwöchigen Epo-Konsum zugab? Es gibt in der Tat gute Gründe dafür, Zabel nun aus dem Rennen zu nehmen. Doch gewonnen wäre dadurch nicht viel.

Sollte es jetzt tatsächlich einen Neuanfang im Radsport geben (der wievielte wäre das eigentlich?) – Zabel würde ihm nicht im Weg stehen. Denn er hat den meisten seiner Kollegen eines voraus: Er hat Reue gezeigt, er hat seine Rolle als Bestandteil eines verlogenen Systems anerkannt und vergleichsweise glaubhaft versichert, im weiteren Verlauf seiner Karriere sauber gefahren zu sein. Die Schuld hat er bei sich gesucht und nicht bei den anderen.

Zum Helden taugt er durch sein Geständnis noch lange nicht, elf Jahre lang hat er schließlich gelogen. Aber er hat eine Chance verdient, eine letzte. Es ist auch hilfreich, zwischen all den Doping-Geständnissen dieser Tage noch die Unterschiede zu sehen. Der Fall Zabel liegt anders als der Fall Bjarne Riis. Denn der Toursieger aus Dänemark hat eine andere Haltung eingenommen. Sarkastisch hat er über sein eigenes Doping gesprochen, und dabei nicht den Eindruck erweckt, als habe er sich von der Mentalität gelöst, die zum Doping führt. Es ist diese Einstellung wie die von Bjarne Riis, die einem Neuanfang im Radsport entgegensteht.

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