Sport : Richtig gehandelt - aber sehr spät (Kommentar)

Jörg Wenig

Nach der Councilsitzung des Welt-Leichtathletikverbandes IAAF im Februar in Monte Carlo feierte jeder seine eigenen Siege. Helmut Digel, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), den, dass positiv gestestete Athleten notfalls sofort durch die IAAF suspendiert werden können. Somit dürfen sie, unter Dopingverdacht stehend, nicht mehr starten. Ein Erfolg für Digel. David Moorcroft, Direktor des britischen DLV-Gegenstücks UK Athletics, den, dass in Sachen Nandrolon weitere Forschung betrieben wird. Ein Erfolg für Moorcroft.

Groß war die Empörung, als UK Athletics mehrere Athleten nicht suspendiert hatte, obwohl ihnen überhöhte Nandrolonwerte im Urin nachgewiesen wurden. Die Kritik am schwachen Verband mag teilweise berechtigt gewesen sein, doch UK Athletics ist ein gebranntes Kind. Die Briten sind vorsichtiger geworden, seit der Vorgänger-Verband bankrott ging. British Athletics zerbrach am Fall Diane Modahl. Die Mittelstreckenläuferin wurde nach einem überhöhten Testosteronwert zu Unrecht gesperrt und klagte erfolgreich.

Ähnlich wie UK Athletics scheint die Fifa zu denken. Sie ließ vor kurzem erklären, nach Schweizer Studien würden die Nandrolon-Grenzwerte vor keinem Gericht standhalten. Niemand weiß, wie die Fifa reagieren würde, wenn morgen Matthäus zu viel Nandrolon im Urin hätte - und dies mit einem US-Aufbaucocktail erklärte, auf dessen Etikett nichts von Nandrolon vermerkt ist. So ist der jetzt gefasste Beschluss der IAAF, weitere Studien zu veranlassen, richtig - wenn er auch im Hinblick auf Olympia sehr spät kommt.

Die Untersuchungen werden nichts daran ändern, dass Nandrolon auf der Dopingliste steht. Und jeder weiß, dass das Anti-Doping-System nur in seiner jetzigen Form effektiv ist. Aber in einem System, in dem die Verbände das Recht haben, Profisportler nach entsprechenden Proben ohne weitere Beweise zu sperren, muss dafür gesorgt sein, dass Nahrungsergänzungsmittel, Auswirkungen von Krankheiten oder auch Testmethoden weitestgehend erforscht werden. Nur so können saubere Athleten geschützt werden. Und zugleich steigen damit die Chancen, dass British Athletics der einzige Pleitefall bleibt.

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