Sport : Richtig retten

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Neulich haben Wissenschaftler mal wieder die angebliche Wahrheit über Trainerwechsel herausgefunden: Sie bringen nichts. Dazu wurden mehr als 150 Trainerentlassungen seit Gründung der Bundesliga untersucht und dabei festgestellt, dass sich die Mannschaften statistisch auch ohne Trainertausch verbessert hätten. Für den VfB Stuttgart aber stimmt das auf keinen Fall.

Beim Stuttgarter Verein für Bewegungsspiele ist es seit drei Spielzeiten immer das Gleiche: Die Saison beginnt erst ab jenem Zeitpunkt, an dem der erste Trainerwechsel vollzogen ist. Manchmal, wie in dieser Spielzeit, auch erst ab dem zweiten Trainerwechsel. 30 Punkte holten die Stuttgarter unter ihrem neuen Trainer Bruno Labbadia, seit Samstag ist klar, dass dies zum Klassenerhalt reicht. Erst nach den Trainerwechseln besinnen sich die Stuttgarter Spieler ihrer Fähigkeiten, die, wie folgende Rückrundentabellen beweisen, so schlecht nicht sein können: Platz drei (Saison 2010/11), Platz eins (Saison 2009/10) und Platz zwei (Saison 2008/09). Wahrscheinlich muss der VfB Stuttgart Trainer Bruno Labbadia in der kommenden Spielzeit unmittelbar vor dem ersten Spieltag entlassen, um endlich auch mal eine vernünftige Hinrunde zu spielen.

Der Trainerwechsel also als Heilmittel für den Klassenerhalt? Für Werder Bremen stimmt das auf keinen Fall. Thomas Schaaf hat auch seine zwölfte Saison als Cheftrainer von Werder Bremen überstanden und das, obwohl die Mannschaft zwischenzeitlich den Abstiegsplätzen bedrohlich nahe gekommen ist. Doch auch Beharrlichkeit kann den Klassenerhalt bringen, wie die Bremer Verantwortlichen ebenfalls seit Samstag wissen. Manchmal ist eben auch eine zerstrittene Mannschaft schuld an unzulänglichen Leistungen.

Was aber hat eigentlich dem 1.FC Köln die Rettung gebracht? Sicher, der Trainerwechsel zu Frank Schaefer trug zur Rettung bei. Das hat der neue Trainersportdirektor Volker Finke am Samstag auch noch einmal betont. Doch so richtig hat Volker Finke ihm die Rettung dann auch wieder nicht zugetraut, weshalb er die letzten drei Spiele lieber alleine lenken wollte und die nötigen Punkte zum Klassenerhalt lieber selber holen wollte. Es ist ihm gelungen, doch er hatte auch das Glück, gegen die desolate Eintracht aus Frankfurt spielen zu dürfen.

Und was können die Wissenschaftler aus den Rettungen der drei Bundesligisten lernen? Vielleicht nur so viel: Jeder Bundesligaverein hat seine eigenen Geschichten und Befindlichkeiten. Mal hilft ein Trainerwechsel, mal das Festhalten am Trainer. In Köln weiß man das längst und hat es sogar zur Philosophie erhoben: Jeder Jeck ist anders.

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