Sport : Richtige Maßnahme, falsches Signal

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Christian Hönicke über

Rolf Rüssmanns Entlassung in Stuttgart

Das war es also. Rolf Rüssmann hat den VfB Stuttgart aus den Tiefen der FußballBundesligatabelle geführt und war auf einem guten Weg, das auch in den Bilanzen zu tun. Jetzt wurde der Sportdirektor entlassen. Überraschend ist das trotz der Erfolge nicht: Rüssmann und Stuttgarts Präsident Manfred Haas beschränkten ihre Zusammenarbeit zuletzt darauf, sich über die Presse anzugreifen. Gegen Haas und seine mächtigen Verbündeten hatte Rüssmann keine Chance. Zum Schluss redete kaum noch jemand mit ihm. Nur durch seine Entlassung war das Klima in der Geschäftsstelle zu retten.

Doch ob die Entscheidung bei der Mannschaft eine positive Wirkung hinterlässt, darf bezweifelt werden. Die hat nämlich auf Prämien verzichtet, um den Klub beim Abbau seiner 16 Millionen Euro Schulden zu helfen. Und sie wird sich jetzt fragen: Wozu das Ganze, wenn das Geld an anderer Stelle wieder verschleudert wird? Denn die Trennung von Rüssmann wird nicht billig: Eine Abfindung von 500000 Euro ist im Gespräch. Und ein Nachfolger wird auch nicht zum Nulltarif arbeiten.

Zwar hat sich Rüssmann mit seiner Sparpolitik auch in der Mannschaft keine Freunde gemacht. Dennoch generierte er Zusammenhalt, überzeugte die Spieler davon, auch an das Wohl des Vereins zu denken. Nun muss er wegen politischer Machtkämpfe gehen – und das ist ein schlechtes Signal der Vereinsführung. Es zeigt, dass das Gemeinschaftsdenken dort aufzuhören scheint, wo die oberen Etagen anfangen. Und dass für Manager auch bei einem wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmen offensichtlich andere Gesetze gelten als für normale Angestellte. Die Mannschaft wird sich daran erinnern, wenn Rüssmanns Nachfolger wieder zum Prämienverzicht bittet.

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