Sport : Richtige Taktik, falscher Klub

Markus Hesselmann

Wer als Fußballprofi vom Kontinent nach England wechselt, muss sich auf einiges gefasst machen: Das schnellere, athletischere Spiel, viel Toleranz der Schiedsrichter für Tacklings, null Toleranz für Schwalben und Reklamationen. Bei deutschen Spielern kommen noch grundsätzliche Vorbehalte der Fans und der Presse hinzu, die mit Weltkriegen und Weltmeisterschaften zu tun haben. Da braucht man Humor, um an- und durchzukommen: „Rosler’s Granddad bombed Old Trafford“, war auf Fan-T-Shirts zu lesen, als Uwe Rösler für Manchester City spielte. Das war lieb gemeint, schwer englisch humorig und sollte signalisieren: Uwe ist zwar Deutscher, aber letztlich doch einer von uns, denn sein Großvater hat ja im Zweiten Weltkrieg das Stadion unseres Rivalen Manchester United in Schutt und Asche gelegt.

Jürgen Klinsmann, stets cleverer als die anderen, kalkulierte von vorneherein mit den Klischees, als er auf die Insel wechselte. Als kontinentaler Schwalbenkönig und humorloser Deutscher verschrien, verblüffte er die Briten, als er zur Pressekonferenz mit Taucherbrille erschien und so seinen Ruf als Diver (Taucher, Elfmeterschinder) karikierte.

Michael Ballack hat eine andere Taktik: Er spielt nicht mit Klischees, er bestätigt sie souverän, in dem er sich als Elfmeterschütze profiliert. Wenn Deutsche irgendetwas gut können, dann Elfmeter schießen, wie englische Teams immer wieder leidvoll erfahren. Dennoch hat Ballack ein Problem: Klinsmann spielte bei Tottenham, einem Klub, gegen den außer Arsenal-Fans so recht niemand etwas hat auf der Insel. Ballack aber kickt für Chelsea. Und niemand mag die Spieler des neureichen Londoner Klubs – deutsch oder nicht deutsch.

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