Sport : Richtiger Titel, falscher Gegner

Nikolai Walujew boxt in Berlin gegen John Ruiz

Michael Rosentritt

Berlin - Nikolai Walujew boxt am Samstag in der Berliner Max-Schmeling-Halle um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht. Sein Gegner wird ein alter Bekannter sein, der US-Amerikaner John Ruiz, dem er an gleicher Stelle im Dezember 2005 den Titel nach Version der World Boxing Association (WBA) durch einen knappen Punktsieg abgenommen hatte. „Dieses Mal fälle ich Walujew“, tönte Ruiz. Walujew, der riesenhafte Russe, 2,13 Meter groß, brummte seine Antwort: „In mir toben gewaltige Kräfte. Ich kann es kaum erwarten in den Ring zu steiger und zu zeigen, was ich drauf habe.“ So viel zum üblichen verbalen Schlagabtausch.

Dass es überhaupt zu diesem Kampf kommt, war so eigentlich nicht geplant. Nachdem der mittlerweile 35 Jahre alte Walujew seinen WM-Titel ein paar Mal erfolgreich verteidigt hatte, verlor er diesen im April 2007 nach völlig indiskutabler Vorstellung in Stuttgart an den für den Hamburger Boxstall Universum tätigen Usbeken Ruslan Tschagajew. Diese erste Niederlage wurmte Walujew, der erst vor wenigen Tagen beim Berliner Boxstall Sauerland seinen Vertrag bis 2011 verlängert hatte, so sehr, dass er sich von seinem Trainer Manuel Gabrielian trennte und sich in die Obhut von Alexander Zimin begab. In der Zwischenzeit boxte Walujew sich in der Rangliste nach oben und gewann im Februar den Ausscheidungskampf gegen den Weißrussen Sergej Liakowitsch, womit er sich das Recht erkämpft hatte, den Weltmeister Tschagajew herauszufordern. Den erstmals für Ende Mai geplanten Kampf hatte der Usbeke wegen einer Viruserkrankung absagen müssen, kurz vor dem Ausweichtermin Anfang Juli war ihm im Sparring die Achillessehne gerissen.

Nikolai Walujew hatte sich also zweimal vergeblich auf die Revanche vorbereitet, was sein Management nicht kampflos hinnehmen wollte. Und so legte die WBA auf ihrer Juli-Sitzung in Buenos Aires fest, dass Walujew gegen Ruiz um den WM-Titel boxen dürfen. Dem bisherigen Titelhalter Tschagajew gestand der Weltverband den Titel „champion in recess“ (Weltmeister in Pause) zu. Zudem besitzt der Usbeke nach seiner Genesung das erste Recht, den Sieger vom Samstag herausfordern zu können. Zeit dafür hat er bis Ende Juni 2009.

„Wir wollten einfach nicht, dass der Titel von einem nicht kampffähigen Boxer zu lange blockiert wird“, sagt Hagen Doering aus dem Sauerland-Management. Man habe nie die Verletzungen Tschagajews angezweifelt, aber es sei absehbar gewesen, dass Tschagajew für einen längeren Zeitraum nicht zur Verfügung stehe. Sollte Walujew den Titel gewinnen, könnte er ihn freiwillig verteidigen. Sobald Tschagajew aber kampfbereit ist, müsste er gegen ihn antreten. Das ist das Duell, das sich Walujew wirklich wünscht. Michael Rosentritt

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