Riesenerfolg im Stabhochspringen : Otto und Holzdeppe holen Silber und Bronze

Raphael Holzdeppe und Björn Otto sorgen mit ihren Medaillen im Stabhochsprung für die große Überraschung am drittletzten Wettkampftag in London: Otto gewinnt Silber, Holzdeppe sichert sich Bronze

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Gut gemacht, Landsmann. Raphael Holzdeppe gewinnt im Stabhochspringen die Bronzemedaille und gratuliert Björn Otto (links) zu Rang zwei. Den Olympiasieg sicherte sich der Franzose Renaud Lavillenie mit 5,97 Metern.
Gut gemacht, Landsmann. Raphael Holzdeppe gewinnt im Stabhochspringen die Bronzemedaille und gratuliert Björn Otto (links) zu Rang...Foto: dpa

Gibt es einen besseren Zeitpunkt, um sich selbst zu übertreffen als die Olympischen Spiele, also dann, wenn die ganze Welt zuschaut und es um die Ergebnisse geht, die in den Statistikbüchern ganz vorne stehen? Raphael Holzdeppe hat das geschafft, der Stabhochspringer aus Zweibrücken, und damit die Bronzemedaille gewonnen. Vor ihm landete ein weiterer Deutscher, Björn Otto, und auch das ist eine besondere Geschichte, denn mit seinen 34 Jahren war er zwischendurch schon abgeschrieben. Höher als die beiden flog nur der Franzose Renaud Lavillenie, der neue Olympiasieger meisterte 5,97 Meter.

Die deutschen Stabhochspringer waren schon oft vorne mit dabei, nur die Medaillen gewannen meistens die anderen. Das fiel besonders auf, weil im deutschen Team mit Tim Lobinger auch der langjährige Ankündigungsweltmeister stand. Lobingers Auftritte hatten hohen Unterhaltungswert, aber auch ihm fehlte die Konstanz für ein Platz an der Spitze.

Mit drei aussichtsreichen Athleten standen die deutschen Stabhochspringer in diesem olympischen Finale. Neben Holzdeppe und Otto war auch noch Malte Mohr am Start. Mohr und Otto nahmen die Einstiegshöhe von 5,55 Meter mit und schafften sie im ersten Versuch, Holzdeppe stieg zehn Zentimeter höher ein und kam damit im zweiten Versuch durch.

Olympische Momente: Zwischen Gold und Tränen
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10.08.2012 13:45Falsche Disziplin. Der Berliner Robert Harting unterhielt nach seiner Goldmedaille im Diskuswerfen das ganze Stadion. Erst zerriss...

Beflügelt vom guten ersten Sprung machte Malte Mohr bei 5,75 Meter weiter – und scheiterte. So blieben nur noch Otto und Holzdeppe im Rennen, mit dessen Namen der englische Stadionsprecher einige Mühe hatte. Holzdeppe überquerte die Höhen von 5,65 und 5,75 im zweiten Versuch, dann die 5,85 im dritten. Damit hatte der 22-Jährige sich zum ersten Mal übertroffen, aber es sollte noch besser kommen.

Otto stieg derzeit ebenfalls in luftige Höhen auf, schaffte die 5,85 Meter im zweiten Versuch und die 5,91 sogar im ersten. Und was konnte Holzdeppe mit dieser Höhe anfangen? Er nahm sie gleich mit – ohne Fehlversuch. Für alle anderen außer Lavillenie war bei 5,85 Meter Schluss und weil die beiden Deutschen ohne den geringsten Anflug von Höhenangst über die 5,91 Meter kamen, ließ der Franzose diese Marke aus und machte bei 5,97 Meter weiter.

Die Luft wurde also immer dünner, der Wettkampf immer spannender, es war ein Dreikampf zwischen dem erfahrenen Lavillenie, dem jungen Deutschen und dem erfahrenen Deutschen.

Lavillenie hat die vergangenen beiden Europameisterschaften gewonnen, seine Bestmarke unter freiem Himmel liegt bei 6,01 Meter, die in der Halle sogar bei 6,03 Meter. Was er zu leisten imstande ist, zeigte er auch in diesem Finale und meisterte die 5,97 im zweiten Versuch. Holzdeppe hatte dreimal gerissen und damit Bronze sicher. Nur Otto besaß noch die Chance, einmal zu kontern. Er ließ die Latte auf 6,02 Meter legen, nachdem er in zwei Sprüngen nur knapp an 5,97 Meter gescheitert war.

6,02 Meter – das waren gleich zehn Zentimeter mehr als seine bisherige Bestleistung. Auf diesen finalen Sprung bereitete er sich erst einmal mit einem Trockensprint vor, und während er dann mit dem Stab in der Hand zum Anlauf bereitstand, griff Lavillenie noch einmal mit beiden Händen ins Magnesiumgefäß und klopfte seine Hände ab, dass es nur so staubte, als wolle er Otto zeigen, auch danach noch einmal zulegen zu können.

Otto lief an, sprang – und scheiterte, wenn auch nicht gerade deutlich.

Auf die Ehrenrunde machten sie sich dann zu dritt, Olympiasieger Lavillenie, Silbermedaillengewinner Otto und Bronzemedaillengewinner Holzdeppe, der Franzose barfuß, die beiden Deutschen in langer Hose.

Die Bilanz der deutschen Leichtathleten in London haben Otto und Holzdeppe noch einmal kräftig verbessert. Fast immer wenn deutsche Athleten etwas in die Hand nehmen können, einen Diskus, eine Kugel oder einen Stab, dann haben sie Erfolg.

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