Riesenslalom : Überraschungs-Gold durch Viktoria Rebensburg

UPDATE Eine Woche nach Maria Rieschs Olympiasieg in der Super-Kombination hat Viktoria Rebensburg die Gunst der Stunde genutzt und die Goldmedaille im Riesenslalom gewonnen.

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XXI. Olympische Winterspiele
Paukenschlag Viktoria Rebensburg gewinnt überraschend Gold im Riesenslalom. -Foto: AFP

Am Vortag hatte Viktoria Rebensburg noch verzweifelt versucht, einen Flug umzubuchen. Als ihre Eltern den Rückflug aus Vancouver über Montreal geplant hatten, hatten sie nicht wissen können, dass der zweite Durchgang des Riesenslaloms bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver aufgrund widriger Wetterbedingungen auf den nächsten Tag verschoben werden würde. „Leider hat das Umbuchen nicht geklappt“, so die 20-Jährige hinterher trocken, „die werden sich sicher ärgern.“ So kam es nämlich, dass ihre Eltern irgendwo zwischen Manitoba und Ontario schwebten, als ihre Tochter Olympiasiegerin wurde.

„Das ist der Wahnsinn“, sagte Rebensburg nach ihrem Triumph. Die Skirennläuferin aus Kreuth hatte im Ziel fünf Fahrerinnen abwarten müssen, ehe ihr überraschender Olympiasieg feststand. „Das war schrecklich im Ziel, ich habe es kaum ausgehalten und konnte nicht mehr stehen.“ Kurz ging sie vor Nervosität sogar in die Knie. Dann war klar, dass sie den Riesenslalom mit vier Hundertstelsekunden vor der Slowenin Tina Maze und 14 Hundertstelsekunden vor der Österreicherin Elisabeth Görgl gewonnen hatte. Die Bronzemedaillengewinnerin hatte nach dem ersten Lauf geführt. „Für uns war es ein Glück, dass der zweite Durchgang erst am nächsten Tag gefahren worden ist“, sagte Alpin-Sportdirektor Wolfgang Maier, „es ist ein psychologischer Vorteil, wenn man nicht vorne ist, als Führende musst du einen Tag lang damit leben.“

Von Platz sechs noch an die Spitze

Viktoria Rebensburg aber lag nach dem ersten Durchgang auf Platz sechs. Schon beim Einschlafen hatte sie zu sich selber gesagt: „Das ist eine gute Ausgangsposition, nur 35 Hundertstelsekunden zurück, konzentriere dich aufs Skifahren.“ Vor allem im oberen Streckenabschnitt schob sie sich ganz nach vorne. Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl kam auf Rang sechs, Kombinationsolympiasiegerin Maria Riesch fuhr auf Rang zehn. „Die Viktoria hat sich von allen am besten auf die unterschiedlichen Bedingungen eingestellt“, sagte Maria Riesch, „im unteren Teil ist es durch den nassen Schnee immer langsamer geworden.“ Weil der Slalom am Freitag exakt in diesem langsamen Abschnitt stattfinden wird, machte sich die Favoritin Riesch Sorgen. „Ich hoffe, dass ich mich dann besser auf den Schnee einstellen kann, ich bin froh, dass ich schon eine Medaille habe.“

Der Deutsche Skiverband hat nun bei den Olympischen Winterspielen aber sogar schon zwei alpine Goldmedaillen gewonnen. „Dass Viktoria Rebensburg siegt, damit hat sicher keiner gerechnet“, meinte Wolfgang Maier, „aber wir haben doch gedacht, dass sie am ehesten um eine Medaille mitfahren kann, weil das Gelände ihrer Art und Weise Ski zu fahren, liegt.“ Sie fahre wie die Jungs, sagte Maier. Andere vergleichen ihren Stil, die Tore aggressiv anzufahren und eine direkte Linie zu wählen, mit Bode Miller: Schnell, wild, gefährlich. „Sie ist ein schlampiges Genie“, sagte Techniktrainer Christian Schwaiger, „sie hat einen der schnellsten Schwünge im Weltcupzirkus, aber sie will auch manchmal mit dem Kopf durch die Wand.“ Inzwischen sei es ihnen aber gelungen, sie zu stabilisieren. Bei der Weltmeisterschaft 2009 in Val d’ Isere lag sie nach dem ersten Durchgang auf Platz drei – und schied im zweiten Durchgang aus. „Damals habe ich gesagt, dass ich daraus lernen und es bei Olympia besser machen will“, erklärte die neue Olympiasiegerin, „der Druck war nach dem dritten Platz im ersten Durchgang aber auch höher.“

Durch ihren Doppel-Weltmeistertitel bei der Junioren-WM 2009 hat Viktoria Rebensburg zum ersten Mal auf sich aufmerksam gemacht. Im Weltcup arbeitete sie sich in dieser Saison in ihrer Lieblingsdisziplin Riesenslalom Schritt für Schritt nach vorne. Kurz nach Weihnachten fuhr sie in Lienz auf Platz fünf, am 24. Januar stand sie als Zweite in Cortina d’ Ampezzo erstmals auf dem Podest. „Da habe ich endlich bewiesen, was ich kann“, sagte sie. Den ersten Sieg über die Weltelite hat sie sich jedoch für die Olympischen Spiele aufgehoben.

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