Sport : Ringen: Irrsinniges Warten nach dem Protest

Alexander Leipold wandelt auf den Spuren von Wilfried Dietrich. Gezeichnet von einem Nasenbeinbruch und einem dicken "Veilchen" am linken Auge sicherte sich der Freistilringer vom VfK Schifferstadt in Sydney durch einen "brutalen Kraftakt" in den Schlusssekunden mit dem Finaleinzug im 76 kg-Limit die seit zwölf Jahren ersehnte Olympia-Medaille. Aus Silber kann sogar noch Gold werden, wenn er den Amerikaner Brandon Slay bezwingt. Gelingt das Husarenstück wäre er 40 Jahre nach Dietrich der zweite deutsche Freistil-Olympiasieger. "Ich will den Wahnsinn perfekt machen und Gold gewinnen", sagte Leipold. Vor Leipolds grandioser Energieleistung durchwanderte Bundestrainer Wolfgang Nitschke ein Tal der Tränen. Seine zweite Medaillenbank, Superschwergewichtler Sven Thiele, scheiterte nach seinem Auftaktsieg gegen Peter Pecha (Slowakei) gegen Weltmeister David Mussulbes (Russland) mit 0:5. Othmar Kuhnert aus Aalen war bei seinen Auftritten in der Klasse bis 58 kg gegen Arif Abdullajew (Aserbaidschan) und Martin Berberjan (Armenien) chancenlos. "Gegen die absolute Weltklasse können wir nichts ausrichten, das wussten wir vorher", sagte der Coach enttäuscht. Umso mehr jubelte er über den Finaleinzug seines Lieblingsschülers. "Ich habe am ganzen Körper gezittert. Ich hätte jeden knutschen können, außer die Koreaner."

Leipold ging gegen den Südkoreaner Eui Jae Moon "mehrmals durch die Hölle" - während und nach dem dramatischen Duell. Zehn Sekunden vor dem Ende der dreiminütigen Verlängerung konnte der Weltmeister von 1994 mit einem Drei-Punkte-Wurf das 0:1 und damit die drohende Niederlage abwenden. "Ich habe fest an mich geglaubt", erzählte der dreimalige Europameister. Trotzdem musste er noch eine bange halbe Stunde überstehen. Die Koreaner legten erfolglos Protest ein, weil Leipold beim siegbringenden Wurf nicht mit beiden Beinen innerhalb der Wettkampffläche gestanden haben soll. "Das Warten war noch irrsinniger als der Kampf", sagte der 31-Jährige.

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