Ringer-Bundesliga : Mehr als Mitsprache: Klubs drohen mit Rückzug

Große Aufregung in der Ringer-Bundesliga: 13 von 14 Bundesligisten drohen damit, die Liga zu verlassen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden.

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Ringen um mehr Einfluss: Am Freitag treffen sich Vertreter der Vereine mit Vertretern des Deutschen Ringer-Bundes (DRB).
Ringen um mehr Einfluss: Am Freitag treffen sich Vertreter der Vereine mit Vertretern des Deutschen Ringer-Bundes (DRB).Foto: dpa

Richtig zur Sache geht es am Samstag im Süden Baden-Württembergs. Das verspricht jedenfalls ein zweiminütiges Youtube-Video des ASV Nendingen. Mit theatralischer Musik, dramatischen Kampfszenen und johlenden Fans bewirbt der Titelverteidiger den Finalhinkampf gegen Germania Weingarten. Es ist natürlich der Höhepunkt der Ringer-Bundesliga. Aber der wichtigere Termin für die Klubs steht schon am Freitag an – und es geht dabei um nichts Geringeres als die Zukunft der Bundesliga.

Dann findet ein Treffen zwischen den Vereinen und dem Deutschen Ringer-Bund (DRB) statt, bei dem es auch zur Sache gehen könnte. Denn die Klubs sind auf harte Konfrontation mit dem DRB gegangen. Sie fordern mehr Mitbestimmung bei der Organisation der Liga. Sollte der Verband ihnen nicht entgegenkommen, drohen 13 von 14 Bundesligisten damit, die Bundesliga zu verlassen. Für die nächste Saison haben sie sich nur unter Vorbehalt angemeldet.

Dass die große Mehrheit der Vereine solch eine drastische Drohkulisse aufbaut, sieht Bernd Fassbender aber ohne Alternative. Der Manager des 1. Luckenwalder SC betont: „Wir hatten keine andere Möglichkeit. Wir wollen mitbestimmen können.“ Bisher laufe es zwischen Verband und den Klubs so ab, dass alle Beschlüsse, die bei der Liga-Tagung getroffen werden, vom DRB wieder gekippt werden können, sagt Fassbender. „Aber wir brauchen Planungssicherheit.“ Im Detail geht es unter anderem um Terminabsprachen oder höhere Gebühren für Lizenzen, bei denen sich die Vereine Änderungen wünschen.

Beim Verband können sie all diese Forderungen nicht nachvollziehen. „Ich kann das nicht mehr hören. Die Klubs denken nur an sich.“, sagt DRB-Präsident Manfred Werner. Er verstehe nicht, warum die Vereine die Situation so eskalieren lassen. „Wenn sie wichtige Wünsche vorbrachten, haben wir diese auch erfüllt.“ Als Beispiel für die Kompromissbereitschaft des Verbands führt der 68-Jährige den Umgang mit der Quote für deutsche Athleten an. Derzeit müssen von den zehn Ringern eines Bundesliga-Kaders mindestens fünf aus Deutschland kommen. In der vergangenen Saison war es Pflicht, dass darunter auch ein deutscher U-23-Athlet war. „Die Vereine empfanden das als zu schwierig zu erfüllen – und so haben wir diese Altersregelung aufgehoben“, sagt Werner.

„Wir reden jedes Jahr über solche Themen, und mit uns kann man auch reden“, betont er. „Aber wir lassen uns nicht erpressen.“ Wenn sich die Vereine zu stur stellen, würde der DRB die derzeitigen Zweitligisten aufrücken lassen und einen Bundesliga-Betrieb mit rund 30 Vereinen veranstalten. Doch Luckenwaldes Manager Fassbender glaubt nicht, dass es so weit kommen wird. Er blickt dem Gespräch der drei Klubvertreter, sie kommen aus Weingarten, Köllerbach und Aalen, mit dem Verband am Freitag „sehr optimistisch“ entgegen: „Es wird zu einer Lösung kommen.“ Auch DRB-Präsident Werner sagt: „Wir wollen, dass die Bundesliga weitgehend so bleibt wie sie ist.“ Denn: „Eigentlich läuft das Ding.“

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