Ringer Frank Stäbler : Der Kampf vor dem Wettkampf

Ringer Frank Stäbler gewinnt seinen WM-Titel in Paris. Innerhalb weniger Tage hatte er dafür sein wicht extrem reduziert.

Frank Stäbler triumphierte in Paris.
Frank Stäbler triumphierte in Paris.Foto: Christophe Ena/dpa

Paris - Riesigen Hunger hatte Frank Stäbler. „Ich brauche jetzt unbedingt einen Burger oder ein großes Stück Torte. Aber im Hotel gibt es nichts mehr“, sagte er. Wenige Minuten zuvor hatte es der 28-Jährige am Montagabend als erster deutscher Ringer geschafft, zwei WM-Gürtel in zwei Gewichtsklassen (66 und 71 Kilogramm) zu gewinnen. Und das innerhalb von nur zwei Jahren. Kurz vor Mitternacht organisierte sein Manager Jens Zimmermann dann den ersehnten Cheeseburger.

Die sechs anstrengenden Kämpfe innerhalb von zehn Stunden hatten Spuren hinterlassen – acht Kilogramm hatte Stäbler von der Qualifikation bis nach dem Finalkampf gegen den Kasachen Demeu Schadrajew (8:3) abgenommen. Um beim offiziellen Wiegen am Abend vor dem Wettkampf auf die geforderten 71 Kilogramm zu kommen, hatte der Musberger in fünf bis sechs Tagen sechs Kilogramm abgenommen. In den vergangenen zwei Tagen gab es dann gerade mal einen kleinen Schluck Wasser. Als Ausnahme durfte er morgens ein Honigbrot essen – natürlich ohne Butter.

Bis zu acht Kilo musste er abnehmen

Doch dank der selbst gemachten Fleischbrühe von seiner Mutter waren über Nacht pünktlich zum Wettkampf am Montag in der Qualifikation wieder fünf Kilogramm mehr auf den Rippen. Dann ging es mit dem Gewicht im Laufe des Wettkampfes wieder rapide bergab.

Dieses Gewichts-Jojo kennt Stäbler aber seit Jahren. Als er bis zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro noch in der Klasse bis 66 Kilogramm startete, musste er in der Regel immer bis zu acht Kilogramm abnehmen, verlor aber auch eine Menge Kraft und Substanz. „Es war immer der schwere Wettkampf vor dem Wettkampf“, erinnert sich der Griechisch-Römisch-Spezialist und gab nach seinem WM-Sieg in Paris offen zu: „Die Kraft war irgendwann weg, doch ich habe es irgendwie über die Zeit gebracht.“

Der Ringer-Weltverband hat für das kommende Jahr bereits neue Regeln beschlossen. So werden die Gewichtsklassen pro Stilart von aktuell acht auf zehn aufgestockt. Zudem sollen die Wettkämpfe auf zwei Tage ausgedehnt werden. Am zweiten Tag, wenn die Finalkämpfe anstehen, wird erneut ein Wiegen absolviert, um die Athleten davon abzubringen, ihr Gewicht so extrem zu reduzieren. Die bislang gängige Praxis sei gesundheitsgefährdend, hieß es vom Weltverband.

Er gab seinen Job fürs Ringen auf

Doch das war in Paris für Stäbler Nebensache. Nach der Feier im Hotel mit seiner Familie und rund 60 mitgereisten Fans suchte er am Dienstag schon die nächste Herausforderung: Er bestieg den Eiffelturm. Immerhin wollte er den schwer erkämpften WM-Gürtel vor traditionsreicher Kulisse mit seiner Frau Sandra auch gut in Szene setzen. Und ab 10 Uhr ging es gleich wieder auf die Matte. Stäbler bereitete seinen Teamkollegen Matthias Maasch (66 Kilogramm) auf die WM-Kämpfe vor.

Ringen bedeutet Stäbler einfach alles. Dafür ließ er sogar seinen Job als Marketingassistent bei einer IT-Firma sausen und ging in die Bundeswehrsportfördergruppe. „Für eine Olympia-Medaille in Tokio ordne ich alles unter. Danach ist Schluss“, verkündete er sein Karriereende für 2020. Stäblers Urlaub auf Lanzarote fällt nach der WM auch etwas kürzer aus. Schon in acht Tagen muss er zur Grundausbildung antreten. (dpa)

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