Sport : Rios wird zum Favoriten für die French Open

VOLKER G,RUM

HAMBURG .Erst wehrte Marcelo Rios einen Matchball ab, dann rang der Chilene am Hamburger Rothenbaum den Argentinier Mariano Zabaleta in einem hochdramtischen Finale noch nieder.Unter dem schützenden Zeltdach in der kühlen Hansestadt setzte sich Haas-Bezwinger Rios im ersten südamerikanischen Endspiel der German-Open-Geschichte durch und feierte seinen ersten Turniersieg in diesem Jahr.Der Tennisprofi aus Santiago holte sich mit einem 6:7 (5:7), 7:5, 5:7, 7:6 (7:5) 6:2 über Zabaleta den prestigeträchtigen Titel des Internationalen Deutschen Meisters.

Der Weltranglistenachte kassierte für seinen 13.Karriere-Titel 361 000 Dollar und unterstrich seine Anwartschaft auf den Titel bei den in zwei Wochen in Paris beginnenden French Open.Für den 21 Jahre alten Argentinier blieben nach seinem ersten Super-9-Finale und einem Wechselbad der Gefühle immerhin noch 190 000 Dollar als Trostpflaster.Zwei Wochen, nachdem Rios im Finale von Monte Carlo gegen den Brasilianer Gustavo Kuerten mit einer Oberschenkelzerrung aufgab, war er bei dem mit 2,45 Millionen Dollar dotierten Turnier in der Hansestadt in guter Form.Über vier Stunden dauerte das hochklassige Finale vor 10 800 Zuschauern.Vor den Augen von Michael Stich, der 1993 den letzten deutschen Sieg am Rothenbaum unter Dach und Fach brachte, mußte Rios alle Register seiner Kunst ziehen.Doch Zabaleta konnte die Gunst der Stunde nicht nutzen.

Danach zogen die Spieler weiter nach Rom - bei den Italian Open ist Rios Titelverteidiger.Eine schwere Aufgabe hat Nicolas Kiefer in der ewigen Stadt zu lösen.Der 21jährige aus Halle in Westfalen trifft auf Australian-Open-Finalist Thomas Enqvist (Schweden).In Hamburg war Brauerei-Chef Hermann Arnold vom Titelsponsor "Licher" trotz eines neuen Zuschauerrekordes (108 000) nicht zufrieden."Die Einschaltquoten lagen weit unter den Erwartungen", sagte der Marketing-Experte.Selbst Thomas Haas lockte die Fans nicht vor die Bildschirme: "Spieler, bei denen nur 600 000 Zuschauer einschalten, erbringen eine unzureichende wirtschaftliche Leistung", schrieb Arnold vor allem der deutschen Nummer 1 ins Stammbuch.Schließlich hatte ausgerechnet die Viertelfinal-Begegnung zwischen Haas und Rios diese Negativ-Quote gebracht.

In Chile wurde das Endspiel live übertragen, in Argentinien nur zeitversetzt.Dabei sind gerade die Argentinier 21 Jahre nach dem Hamburg-Sieg ihrer Tennis-Legende Guillermo Vilas auf dem Vormarsch: Erst in der vergangenen Woche gewann Franco Squillari das Finale von München.Der Höhenflug hat Gründe: "Rios war für uns Vorreiter", sagt Nicolas Lapentti aus Ecuador, der im Halbfinale gegen Zabaleta ausgeschieden war.Rios hatte im ersten Vorschlußrunden-Spiel French-Open-Gewinner Carlos Moya aus Spanien vorgeführt."Wir haben eine gute Beziehung zueinander.Wir gehen zusammen essen, weil wir dieselbe Sprache sprechen.Auch Rios grenzt sich nicht aus.", lobte Zabaleta, der Weltranglisten-Erste der Junioren von 1995, den Star aus Santiago.

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