Sport : Riskantes Spiel

Interne Protokolle zeigen: Beim Berliner Tennisklub LTTC Rot-Weiß ist der Etat 2003 absolut auf Kante genäht

Frank Bachner

Berlin. Es gab Beaujolais Primeur und ein ausgezeichnetes Essen. Was die vornehme Atmosphäre im Klubrestaurant des Tennisklubs LTTC Rot-Weiß etwas störte, waren die Aussagen zur ungewissen Zukunft des Damenturniers German Open. Die ganze Situation des schuldengeplagten Vereins wurde am vergangenen Donnerstag bei einer Klubveranstaltung öffentlich nicht angesprochen, und das war aus Sicht des Vorstands wohl auch gut so. Denn diese Situation sieht unverändert düster aus. Nur wurde das erst mal intern festgestellt. Am 12. November tagte der Klubausschuss, und dort wurde laut Protokoll mitgeteilt, „dass der gesamte offene Betrag der langfristigen Kredite per 30. 9. 2002 ca. 3,3 Mio. Euro beträgt“. Gunnar Streidt, der Präsident des LTTC Rot-Weiß, konkretisiert die Zahlen: „Es sind rund zwei Millionen Euro langfristige und rund 1,3 Millionen kurzfristige Kredite.“

Wie prekär die derzeitige Lage des Vereins ist, zeigt sich in Bezug auf den Etat 2003. Im Protokoll heißt es dazu: „Es wurde deutlich, dass der Haushaltsvoranschlag nicht nur äußerst knapp kalkuliert ist, sondern eine Reihe von Unwägbarkeiten enthält, die zu ernsthaften Problemen führen könnten. Hervorgehoben wurde hier die Beschlusslage zu den Aufnahmegebühren.“ Diese Gebühren hatte Rot-Weiß mal zwischenzeitlich ausgesetzt. Und derzeit wird überlegt, ob man bestimmte Gruppen wieder davon befreien soll. Was sich allerdings genau hinter den „Unwägbarkeiten“ verbirgt, ist nicht bekannt.

Wegen der – laut Protokoll – „angespannten Liquidität“ bat der Verein Banken um Geduld bei der Tilgung von Krediten. Mit Erfolg. Es konnte eine „Aussetzung von Tilgungen für einen Zeitraum von drei Monaten erreicht werden“, wurde protokolliert. Drei Monate waren gut und recht. Nur schwebte den Rot-Weiß-Funktionären ein erheblich längerer Zeitraum vor. Aber da spielten die Banken nicht mit. „Die angestrebte Umwandlung der verschiedenen Kredite in einen Großkredit gegenüber der Landesbank, möglichst in Verbindung mit einer Tilgungsfreiheit in den nächsten zwei bis drei Jahren, konnte nicht erreicht werden.“ An anderer Stelle wiederum ist protokolliert: „Tilgungen wurden zum großen Teil geleistet.“

Als vergangenen Donnerstag geladene Gäste und Vereinsmitglieder bei Beaujolais im Klubrestaurant von Rot-Weiß zusammensaßen, sagte auch Dietmar Hingst, der Geschäftsführer der Rot-Weiß- GmbH, ein paar nette Worte. Über die GmbH wird der höherklassige Mannschaftssport des Klubs abgewickelt, und Hingst verkündete: „Ich denke, wir haben einigermaßen gute Arbeit erledigt.“

Das war der offizielle Teil. Wie es wirklich um die GmbH steht, hatte er intern erklärt. Laut Protokoll sagte er: Die Hoffnung auf finanzielle Besserung durch den Rückzug aus der Bundesliga habe sich nicht bestätigt, es seien im Gegenteil große Einbrüche durch Kündigungen bestehender Sponsorenverträge eingetreten. Die GmbH, ließ Hingst protokollieren, sei „an sich überschuldet“. Diese eigentliche Überschuldung „konnte durch ,stille’ Gesellschafter aufgefangen werden“. Die Liquidität habe sich jedoch nicht gebessert. Für das am 30. September 2002 endende Wirtschaftsjahr hat die GmbH „eine voraussichtliche Unterdeckung von 58 000 Euro“ ermittelt. Und dann gibt es auch noch einen Personalwechsel. Klaus Tettenborn, Chef des Finanzausschusses, legte sein Amt nieder. Nach Informationen des Tagesspiegel führten persönliche Gründe zu diesem Schritt.

Doch wenigstens ist da noch IMG, der Vermarkter der German Open. Der hilft dem klammen Klub. IMG, berichtete Turnierdirektor Eberhard Wensky intern, bezahle beim Turnier 2003 den Auf- und Abbau der Tribüne. Diese Kosten hatte bisher der Klub zu tragen.

Doch es geht hier ja immer noch um den LTTC Rot-Weiß, und der Verein im Grunewald betrachtet sich unverändert als eine Nobel-Adresse in Berlin. Deshalb treibt ein paar Mitglieder des Klub-Ausschusses ein ganz spezielles Problem um. Laut Protokoll monierten sie, „dass bei einer erneuten Aussetzung (...) der Aufnahmegebühren die Exklusivität und das Image des Klubs verloren gehen könnten“.

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