Sport : Risse im Stadiondach in Kaiserslautern Bundesligaspiel gegen Frankfurt verlegt

Oliver Trust

Kaiserslautern - Wolfgang Wolf befand sich mit seiner Mannschaft im Trainingslager in Marburg, als ihn der Anruf aus dem Klubzentrale erreichte. Was ihm der scheidende Vereinschef René C. Jäggi mitteilte, schockierte nicht nur Wolf. In der Nacht zum Freitag war die Entscheidung gefallen, das Fritz-Walter-Stadion wegen baulicher Sicherheitsbedenken zu sperren: Am Dach der Osttribüne waren Risse entdeckt worden. Deshalb wurde auch die für heute angesetzte Partie gegen Eintracht Frankfurt abgesagt. Wolf brach das Trainingslager ab. Der Vorfall hat auch noch eine Dimension außerhalb der Fußball-Bundesliga: bereits zum vierten Mal treten in einem deutschen WM-Stadion Probleme auf. Zuvor hatte es schon in Frankfurt am Main Probleme mit dem Dach gegeben, in Nürnberg musste nach einem Hüpftest von 300 Menschen nachgerüstet werden und in Kaiserslautern hatte ein bei starken Winden von der Osttribüne herabgestürztes Teil einen Ordner verletzt.

Der WM-Standort Kaiserslautern, an dem vier Vorrunden- und ein Achtelfinalspiel stattfinden sollen, sei nicht gefährdet, hieß es in einer Mitteilung des Vereins. Es handle sich lediglich um eine Sicherheitsmaßnahme. Der WM-Standort Kaiserslautern aber rückt zum wiederholten Mal in den Fokus der Öffentlichkeit. Zuerst musste eine umfassende finanzielle Rettungsaktion von Stadt und Land den 1. FC Kaiserslautern vor der Insolvenz bewahren. Der abstiegsbedrohte Klub verkaufte die Arena für 56 Millionen Euro an eine Betreibergesellschaft, hinter der die Stadt Kaiserslautern steckt. Wegen der Turbulenzen war es immer wieder zu Verzögerungen beim Stadionbau gekommen. Derweil stiegen die Kosten für den Umbau. Immer wieder kursierten Gerüchte, der WM-Standort sei wegen finanzieller Probleme gefährdet. Ursprünglich waren 48,6 Millionen Euro für den Umbau veranschlagt, dann war von 71 Millionen Euro die Rede, bevor weitere drei Millionen dazukamen. Die Kosten, die durch die Risse im Dach entstehen, sind noch nicht eingeschlossen. Die sieben an den Umbauten beteiligten Unternehmen versicherten, der Bau werde termingerecht fertig gestellt. Der Vorstandsvorsitzende Jäggi geht von Regressforderungen an die Baufirma aus: „Der FCK hat eine voll funktionsfähige Tribüne bestellt und erwartet, dass die auch wieder voll funktionsfähig gemacht wird.“

Am Mittwoch waren laut Jäggi bei einer Untersuchung erste Risse entdeckt worden. „Am Freitag waren dann die Ergebnisse bei einer weiteren Untersuchung noch schlechter als die der ersten. Deshalb die Maßnahme“, sagte Jäggi. Eine Abstützung der Tribünen, die eine umfassende Sicherheit der Zuschauer gewährleistet hätte, war in der kurzen Zeit nicht zu realisieren. Am Freitagvormittag wurden auch die Frankfurter informiert. Ihm sei die „Kinnlade runtergefallen“, sagte Eintrachts Manager Heribert Bruchhagen. Das Spiel gegen Frankfurt soll nun am 14. Dezember um 18 Uhr nachgeholt werden.

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