Sport : Rituale beim Satzball

Die SCC-Volleyballer haben einen Bundesliga-Rekord aufgestellt

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Von Karsten Doneck

Berlin. Es wurde mit Fortdauer des Spiels fast zum Ritual. Da erhoben sich die Zuschauer vor jedem Satzball für die heimische Mannschaft von ihren Sitzplätzen, um klatschend den aufschlagenden Spieler zu unterstützen. Wurde der Ball verschlagen, setzten sich alle wieder hin. Wohlbeleibtere Zeitgenossen unter den 800 Besuchern in der Sömmeringhalle werden bei dem Prozedere vielleicht ein bisschen aus der Puste gekommen sein. In den ersten drei Sätzen erlebten sie nämlich insgesamt 25 solcher Satzbälle allein für den SC Charlottenburg, der Gast VV Leipzig brachte es seinerseits im gleichen Zeitraum auf neun Satzbälle. Der SCC lieferte beim 3:1-Sieg zum Saisonauftakt gegen die Leipziger ein atemberaubendes Match voller Dramatik, wenngleich arm an Klasse. Die Satzergebnisse waren reif für die Rekordbücher: 30:32, 43:41, 36:34 – und dann der fast aus dem Rahmen fallende grundsolide Ausklang – 25:14. „Der vierte Satz war ja fast schon zu normal“, sagte SCC-Manager Kaweh Niroomand leicht verwundert.

Keine Frage: Wenn es im Volleyball wie in anderen Ballsportarten das Unentschieden geben würde, wäre es für diese Partie das zu einhundert Prozent gerechte Ergebnis gewesen. Besonders aufregend geriet der zweite Satz, der zu einer unendlichen Geschichte auszuarten drohte. 43:41 endete dieser Abschnitt, und nicht enden wollte danach der Beifall des begeisterten Publikums. Beim Deutschen Volleyball-Verband herrschte nachher Einmütigkeit: 43:41 – einen solchen Volleyball-Marathon hat es in der Bundesliga-Geschichte nach Einführung des Rally-Point-Systems (Sätze bis 25) noch nie gegeben. „Für mich ist das eine völlig neue Erfahrung“, sagte auch SCC-Außenangreifer Eugen Bakumovski zu den äußerst ungewöhnlichen Satzergebnissen.

Es bedurfte allerdings besonderer Umstände, dass sich die Sätze in die Länge zogen wie die amerikanischen Highways. Günter Trotz, offiziell nur Geschäftsführer, inoffiziell aber die Seele der Volleyball-Abteilung des SCC, findet eine plausible Erklärung dafür, wie es zu derart ausufernden Sätzen kommen konnte. „Wenn bei beiden Mannschaften die Annahme einigermaßen stabil ist, dann fällt es halt schwer, sich punktemäßig abzusetzen, selbst wenn – wie gegen Leipzig – aus den Aufschlägen kaum das Risiko herausgenommen wird“, sagte Trotz. Der SCC hat schon einmal so ein emsiges Punktesammeln veranstaltet: vor drei Jahren im Europapokal in Ankara. Da war der Satz aber schon bei 38:36 beendet.

Bei aller Freude über den Sieg gegen Leipzig war beim SCC hinterher jedem bewusst, dass die eigene Darbietung noch stark verbesserungswürdig war. Doch aller voreiligen Kritik hielt Eugen Bakumovski entgegen: „Wir sind erst am Anfang der Saison, mit Andrei Urnaut und mir sind zwei Neue da, die auch erst eingefügt werden müssen – das dauert eben.“ Und zum Auftakt stimmte ja wenigstens das Endergebnis – und der Spaßfaktor. SCC-Trainer Mirko Culic sagte: „Für die Zuschauer war’s doch hochinteressant.“

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