Sport : Rivalität muss sein

Benedikt Voigt wundert sich über Friedensgespräche im Westen

Benedikt Voigt

Wie bitte ist das jetzt zu verstehen? Aus dem Westen der Republik dringt die seltsame Nachricht, dass sich die Vorstände der Bundesligarivalen Schalke 04 und Borussia Dortmund zu Friedensgesprächen getroffen haben. Das ist ungefähr so, als hätte Nordkoreas Diktator Kim Jong Il den südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Hyun zu Kaffee und Kuchen geladen. Irgendwie unglaublich.

Doch es stimmt. Die Emotionen zwischen den beiden Ligarivalen hatten sich am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison hoch geschaukelt, als Dortmund mit seinem Sieg Schalke die Meisterchance nahm. Das Treffen nun sollte Dampf aus dem Kessel nehmen, wie es der Schalker Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies formulierte. Nun wollen sich die Vereinsvorstände regelmäßig besuchen. Wie weit wird das gehen? Werden die Fans aus Gelsenkirchen künftig sogar den Namen des anderen in den Mund nehmen, „Dortmund“ sagen und nicht mehr nur „Lüdenscheid-Nord“? Werden die Dortmunder Anhänger beim Auswärtsspiel die „Veltins-Arena“ nicht mehr als Turnhalle verspotten? Werden sie womöglich ihren neuen Freunden Trost spenden, weil diese es seit 50 Jahren nicht mehr geschafft haben, Meister zu werden?

All das darf nicht passieren. Die Bundesliga lebt von der Dauerfehde der beiden Vereine, sie braucht die großen Emotionen. Die Verantwortlichen scheinen das auch zu wissen, Tönnies spricht von einer gesunden Rivalität, an der sich nichts ändern soll. Der Dampf bleibt drin. Puh.

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