• Robert Enkes Trauerfeier: Ministerpräsident Wulff verurteilt extremen Leistungsdruck

Robert Enkes Trauerfeier : Ministerpräsident Wulff verurteilt extremen Leistungsdruck

Bei der Trauerfeier für Robert Enke vor Zehntausenden fordern Politik und Sport ein Umdenken.

Sven Lemkemeyer
310102_3_xio-fcmsimage-20091115224903-006000-4b00774fe454c.heprodimagesfotos82120091116enketitel.jpg
Abschied. Gestützt von einer Freundin steht Teresa Enke (links) am Sarg ihres Mannes Robert Enke am Sonntag im Mittelkreis des...Foto: Kay Nietfeld/dpa

Berlin - Mit einer der größten Trauerfeiern für einen Prominenten in der Geschichte der Bundesrepublik hat Deutschland am Sonntag Abschied vom Fußballtorwart Robert Enke genommen. 40 000 Menschen im Stadion in Hannover verfolgten die bewegende Zeremonie, die am Sonntagmorgen fünf Tage nach dem Selbstmord des Nationalspielers von fünf Fernsehsendern live übertragen wurde. Redner aus Politik und Sport, darunter der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, würdigten Enke in sehr persönlichen Reden als einen herausragenden Sportler und großartigen Menschen. Zugleich riefen sie die Gesellschaft zum Umdenken auf. „Die Welt ist nicht im Lot“, sagte Wulff, dessen Stimme zwischenzeitlich zu versagen drohte. Mit Blick auf Enkes Depression und Versagensängste, die den 32-Jährigen in den Tod getrieben hatten, kritisierte Wulff den extremen Leistungsdruck, dem Menschen nicht nur im Sport, sondern auch in anderen Berufen ausgesetzt seien: „Wir alle brauchen keine fehlerfreien Roboter. Wir brauchen Menschen mit Ecken und Kanten und mit allen ihren Schwächen und ihren wunderbaren Eigenschaften.“ Er forderte, Sportler nicht als Versager oder Übermenschen zu sehen. Zwanziger zielte in die gleiche Richtung, als er unter Beifall sagte: „Fußball ist nicht alles, Fußball darf nicht alles sein.“

Wie Wulff und Zwanziger würdigten auch der hannoversche Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) und der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, die Art, mit der Enkes Witwe Teresa am Tag nach dem Selbstmord ihres Mannes vor der Presse von dessen langjährigen Depressionen berichtet hatte, die er sieben Jahre geheim gehalten hatte. Teresa Enke hatte sich eine Stunde vor der Feier, begleitet von einer Freundin, an den Sarg gestellt. Die bereits anwesenden Trauergäste erhoben sich und applaudierten.

An der Trauerfeier nahmen auch Bundestrainer Joachim Löw, Delegationen aller Bundesligavereine sowie Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Altkanzler Gerhard Schröder teil. Im Mittelkreis des Spielfelds wurde der von weißen Blumensträußen und Kränzen umgebene Sarg aufgebahrt. Am Fußende lag ein weißes Herz aus Blumen. Enkes Nationalmannschaftskollegen, Kapitän Michael Ballack und Per Mertesacker, legten einen Kranz nieder. Am Ende trugen Enkes Mannschaftskameraden von Hannover 96 den Sarg aus dem Stadion. Am Nachmittag wurde Enke in Neustadt am Rübenberge neben seiner Tochter Lara beigesetzt, die 2006 im Alter von zwei Jahren wegen eines Herzfehlers gestorben war.

Schlusspfiff

Der Abschied in Hannover3

Hauptstadt der Depression

Berlin zieht psychisch Erkrankte an14

Ein Stadion trägt Trauer

Bilder und Zwanzigers Rede 22

Talk und Liveticker

Die Trauerfeier im Fernsehen 27

0 Kommentare

Neuester Kommentar