Robert Harting : Der Unbesiegbare

Zum Saisonauftakt kann Diskuswerfer Robert Harting ein Rekord gelingen – aber wie groß ist der Druck des Gewinnenmüssens für den Olympiasieger von London 2012?

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Der nächste große Wurf? Gewinnt der gebürtige Cottbuser Robert Harting am Sonntag beim Meeting in Wiesbaden, dann wäre er seit 1003 Tagen ungeschlagen. Das gab es noch nie im Diskuswerfen.
Der nächste große Wurf? Gewinnt der gebürtige Cottbuser Robert Harting am Sonntag beim Meeting in Wiesbaden, dann wäre er seit...Foto: dpa

Vor einer Woche hat Robert Harting einen Wettkampf verloren. Im Trainingslager in Portugal unterlag er im Gewichtheben, im „Weightlifting Speed Test“ – einer Frau. Im Spaß natürlich, bei unterschiedlicher Ausgangslage und dann blieb der Erfolg sozusagen in der Familie. Hartings Freundin, die Berliner Diskuswerferin Julia Fischer, hatte nur 84 und nicht 130 Kilo zu stemmen wie ihr Freund. Der hätte bei einer Niederlage im Diskuswerfen als Olympiasieger von London 2012 sicher weniger gute Laune gehabt. Dort kennt Robert Harting das Gefühl der Niederlage seit fast drei Jahren nicht mehr. Dabei sagt er: „Zum Gewinnen gehört, dass man verlieren kann.“

Robert Harting wirkt am Freitag ein wenig angespannt, am Sonntag beginnt die Saison für ihn mit dem Werfermeeting in Wiesbaden. Siegt er dort, dann ist er seit 1003 Tagen im Diskusring ungeschlagen und hat die bisherige Bestmarke im Unbesiegtsein vom heutigen Bundestrainer Jürgen Schult um einen Tag übertroffen. Natürlich will Harting das schaffen. „Gewinnen wollen ist eine intrinsische Motivation und Bestandteil meiner Identität“, sagt er. In Wiesbaden könnte er zum 33. Mal in Folge einen Wettkampf gewinnen. Der Saisonhöhepunkt findet erst im August statt, in Moskau will Harting zum dritten Mal Weltmeister werden. „Das ist mein klares Saisonziel“, sagt er und das muss Harting gefühlt auch erreichen. Denn der 28 Jahre alte Berliner hat sich seit seinem Olympiasieg so stark über seinen Erfolg inszeniert, dass es nichts Schädlicheres als einen Misserfolg gäbe. Muss er den Mythos der Unbesiegbarkeit leben? Harting sagt nein. „Bei mir erwartet die Öffentlichkeit so viel Authentizität wie möglich.“ Also könnten Niederlagen dazugehören zum öffentlichen Harting. Aber klar, „gewinnen ist schöner“. Und Harting weiß, wie es geht. „Der Zweite und der Dritte von London sind keine schlechteren Athleten als ich, aber im entscheidenden Moment ist es der Kopf, der den Ausschlag gibt.“

Der starke Kopf hat im Falle Hartings auch über seine materielle Zukunft entschieden. Er hat seit London viel verdient, hat durch seine Prominenz viel Geld gesammelt für wohltätige Zwecke und hat den Privatmenschen Harting vernachlässigen müssen. Aber das Inszenieren in der Öffentlichkeit ist für Harting essenzieller als etwa für einen Mannschaftssportler, der jede Woche live im Fernsehen über das Spielfeld läuft – egal ob der vor der Kamera etwas sagt oder nicht. Würde Harting keine Interviews mehr geben, würde er als Diskuswerfer in der öffentlichen Wahrnehmung abrutschen. Olympische Spiele gibt es schließlich nur alle vier Jahre.

Die Gefahr, dass seine Laufbahn unter den vielen Terminen abseits des Sports leiden könne, sei natürlich da, sagt der zurzeit prominenteste Sportler des SC Charlottenburg. Auch diese Situation nutzt der Student der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste (UdK) geschickt als Teil der Inszenierung. Diskuswerfen langweilig mit Robert Harting? Geht nicht. Es sei doch jetzt so, „dass alle den Harting schlagen wollen“. Aber auch ein Bald-Weltmeister im Ungeschlagensein kann noch große Ziele haben: den Weltrekord von Jürgen Schult. 70,66 Meter hat Harting schon geworfen, aber von 74,08 Metern ist er noch weit entfernt. Auch Schult habe allerdings nur ein Niveau von 71 Metern gehabt. Wenn der Wind komme und die Aerodynamik stimme, dann ...

Vor der Saison allerdings beschäftigen Harting nicht nur Rekorde, sondern auch der Rummel nach der vergangenen Saison. Etwa 20 Prozent weniger als in den Vorjahren habe er diesmal trainieren können. Aber immerhin sei das Trainingslager im Mai in Portugal unter seinem Trainer Werner Goldmann mit Freundin Julia Fischer und seinem Bruder Christoph sehr gut gewesen. Trotz der Niederlage im Gewichtheben. Hat Harting konnte sie locker wegstecken. „Es war ja eine Trainingsgeschichte“, sagt er und lacht. „Das hat keine Folgen für mich.“

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