• Robert Harting wünscht sich Doper-Markierung: Doping ist zu komplex für einfache Lösungen

Robert Harting wünscht sich Doper-Markierung : Doping ist zu komplex für einfache Lösungen

Robert Harting und David Storl wünschen sich eine sichtbare Brandmarkung für überführte Doper. Der Vorschlag ist zwar nachvollziehbar, gut ist er deshalb aber noch lange nicht. Ein Kommentar.

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Der Vorschlag von Robert Harting mag aus der Verzweiflung heraus entstanden sein, endlich mehr gegen den Betrug tun zu müssen. Aber gut ist dieser Vorschlag deshalb noch lange nicht.
Der Vorschlag von Robert Harting mag aus der Verzweiflung heraus entstanden sein, endlich mehr gegen den Betrug tun zu müssen....Foto: dpa

Achtung, Doper! Seht her, der hat sich schon mal etwas zuschulden kommen lassen, misstraut ihm! Das will Diskus-Olympiasieger Robert Harting erreichen und frühere Doper nach ihrer Sperre auf ihrer Startnummer brandmarken. Auch Kugelstoßer David Storl findet das eine gute Idee. Hartings Vorschlag mag aus der Verzweiflung heraus entstanden sein, endlich mehr gegen den Betrug tun zu müssen. Das ist nachvollziehbar. Aber gut ist dieser Vorschlag deshalb noch lange nicht.

Das fängt schon mit der Umsetzbarkeit an. Es gibt eben nicht den Doper. Jedes einzelne Dopingvergehen ist unterschiedlich zu bewerten. Daher gibt es auch unterschiedlich lange Sperren. Es macht eben einen Unterschied, ob man aus Blödheit positiv getestet worden ist, weil man ein Energiepulver genommen hat, das anders als auf dem Etikett angegeben doch verbotene Substanzen enthielt. Oder sich bewusst über einen längeren Zeitraum verbotene Substanzen gespritzt hat. Soll der eine nun einen zartrosa Punkt auf die Startnummer bekommen und der andere einen blutroten?

Doping ist auf jeden Fall zu komplex für einfache Lösungen. Auch die abschreckende Wirkung wird gering sein. Denn ein zwei- oder vierjähriges Berufsverbot und damit der Verlust aller Einnahmen dürfte Athleten immer noch stärker treffen als die Pfiffe des Publikums. Ohnehin war schon jetzt in jedem Text und Fernsehbeitrag über Justin Gatlin zu lesen und zu hören, dass er bereits zweimal wegen Dopings gesperrt war.

Vor allem aber hat auch ein Athlet eine zweite Chance verdient. Viele Doper sind sehr jung, sie befinden sich oft in einem psychischen Abhängigkeitsverhältnis von Menschen aus ihrem Umfeld, einem autoritären Trainer etwa, einem mächtigen Vereinsboss. Das alles schützt nicht vor der Strafe. Aber es darf nach einer solchen Strafe keine übertriebene Stigmatisierung geben. Für die Bestrafung gibt es die Dopingregeln. Es kommt eher darauf an, sie einfach besser anzuwenden.

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