Sport : Robert Huth

Wie der Verteidiger gegen Frankreich spielte

Michael Rosentritt

Als Erstes streckte sich Robert Huth noch einmal, dann ertönte der Anpfiff. Nur nicht den ersten Zweikampf verschlafen, lautete das Vorhaben, denn sein Gegenspieler ist David Trezeguet. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Abwehrspieler passieren kann. Der Franzose hat in 59 Länderspielen 31 Tore erzielt. Für Huth ist es erst das 14. Länderspiel, und weil er beim FC Chelsea so gut wie nicht zum Einsatz kommt, fehlen ihm Spielpraxis und Rhythmus. Als die Franzosen schon zweimal aufs deutsche Tor geschossen haben, war Huth noch nicht ein Mal am Ball. Den hat er in der sechsten Minute, er wuchtet ihn mit seinem rechten Fuß ins Seitenaus.

Der 21 Jahre alte Berliner ist ein wuchtiger Spieler. Er ist groß und stark, hat ein markantes Gesicht. Er ist ein guter Zweikämpfer, was Trezeguet bald merken soll. Huth macht nur seinen Job. Einige Male hat er auch schon übertrieben, zwei Elfmeter hat er als Nationalspieler schon verursacht.

Gegen die Franzosen hat er nicht viel zu tun. Da der Gegner es meist mit langen Bällen versucht, muss Huth nur gut stehen – zum Ball und zum Gegenspieler. Er ist engagiert und wachsam. Immer wieder blickt Huth nach links und rechts zu seinen Mitspielern in der Abwehr, um sich auf einer Höhe mit ihnen auszurichten. Nach einer Viertelstunde gewinnt er gar ein Laufduell mit Thierry Henry, Frankreichs zweitem Stürmer. Als Huth den erbeuteten Ball nach vorn schlagen will, stolpert er. In der Spieleröffnung hat er Schwächen, meist spielt er Bälle nicht weiter als zehn Meter. Er sucht eigentlich immer dem am nächsten zu ihm stehenden Mitspieler.

Trotzdem fällt Huth auf. Er ist kein Techniker, aber sein Laufstil wirkt einmalig. Er hat sogar schon ein Länderspieltor erzielt, im Sommer beim Confed-Cup. Beim Rennen winkelt er die Arme nicht an, sondern lässt sie lang und steif am Körper herabhängen. In dieser Haltung braust er kurz vor der Halbzeit in einen Zweikampf, Huth behauptet sich dabei. Mit fortlaufender Spieldauer wird sein Timing besser, sein Spiel ruhiger. In der zweiten Hälfte traut Huth sich bei Freistößen sogar in die gegnerische Hälfte.

Einmal sieht er sich in der Verteidigung zwei Franzosen gegenüber. Trezeguet und Anelka, der für Henry gekommen war. Huths Schuld war es nicht, er schimpft mit Per Mertesacker, dem anderen Innenverteidiger. In der Schlussminute aber muss sich Huth über sich ärgern. Nach einer französischen Flanke köpft er den Ball fast ins eigene Tor. Dann ist Schluss.

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