Sport : Rochade ins Verderben

Die ersatzgeschwächten Dortmunder verlieren in einem aufregenden Spiel 1:4 gegen den Hamburger SV.

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Du gehst gleich. Rafael van der Vaart (in Blau) empört sich über das harte Einsteigen von Robert Lewandowski (links). Der Dortmunder Stürmer sieht die Rote Karte, der Hamburger erhält für seine handgreifliche Beschwerdeführung Gelb. Foto: AFP
Du gehst gleich. Rafael van der Vaart (in Blau) empört sich über das harte Einsteigen von Robert Lewandowski (links). Der...Foto: AFP

Jürgen Klopp konnte auch nach diesem Spiel noch lachen. Und zwar als Dortmunds Pressesprecher verkündete, keiner der anwesenden Medienvertreter habe beim Tippspiel richtig gelegen. Schließlich hatte der Hamburger SV beim Deutschen Meister nicht nur völlig überraschend gewonnen, sondern das auch noch in einer Höhe, die sensationelle Züge annahm. 1:4 (1:2) endete die Partie aus Sicht des BVB, in dieser Deutlichkeit hat die Borussia seit 2009 nicht mehr verloren.

Einer der Gründe für die Pleite war der Umstand, dass Klopp hinten links in seiner Viererkette improvisieren musste, schließlich fielen mit Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz die ersten beiden Optionen aus. Also rochierte der gelernte Mittelfeldspieler Sven Bender nach hinten, dafür durfte Nuri Sahin zum ersten Mal nach seiner Rückkehr von Beginn an auf den Rasen, zudem gönnte Klopp seinem Nationalspieler Ilkay Gündogan eine schöpferische Pause.

Der HSV nutzte die Unpässlichkeit des Meisters und kam zu vier Toren, die sich der Lette Artjoms Rudnevs und der Koreaner Heung Min Son mit je zwei Treffern teilten. „Wir waren von Beginn an gut im Spiel“, sagte Marcell Jansen, „wir haben uns gegen diese Klassemannschaft nie versteckt.“ Das stimmt, die Hamburger spielten beeindruckend couragiert auf, es war eine aufregende und überaus hektische Auseinandersetzung, bei der es nicht nur fünf Tore, sondern auch noch zwei Platzverweise zu bestaunen gab.

Die erste Rote Karte sah der Dortmunder Robert Lewandowski nach einer halben Stunde für sein hartes Einsteigen gegen Ciljan Skelbred. Zuvor war dem polnischen Stürmer das erste Tor der rasanten Partie gelungen. Nach einem an und für sich harmlosen Befreiungsschlag von Kapitän Sebastian Kehl rannte Lewandowski durchs Mittelfeld, überrannte auch seinen Gegenspieler Heiko Westermann und durfte sein 14. Saisontor erzielen.

Es blieb sein einziges in diesem Spiel, denn noch vor der Halbzeit war das Spiel für ihn beendet. Bevor der europaweit begehrte Stürmer vorzeitig zum Duschen geschickt wurde, hatte der HSV die Partie durch zwei Kontertore von Rudnevs und Son zu seinen Gunsten gedreht. Der Platzverweis war danach ein nicht zu unterschätzender Vorteil für die Gäste, „wenn solch ein Stürmer nicht mehr mitmachen darf, spielt dir das natürlich in die Karten“, sagte Jansen.

Die Dortmunder versuchten in Unterzahl verzweifelt, eine Linie zu finden – der HSV beschränkte sich darauf zu kontern. Es blieb aufregend, denn nach einer Stunde herrschte zumindest nach Platzverweisen Gleichstand. HSV-Spieler Jeffrey Bruma sah nach einer Notbremse an Marco Reus ebenfalls Rot, es ging also mit zehn gegen zehn weiter. Doch statt zu einer erneuten Wendung kam es zur Entscheidung. Hamburg schüttelte sich und schlug durch Rudnevs und Son kurz vor dem Abpfiff eiskalt zu. Es war das Ende eines hektischen Spiels, das Hamburgs Trainer Thorsten Fink begeisterte. Seine Mannschaft habe so agiert, wie er es am liebsten sehe, betonte der gebürtige Dortmunder: „Freude am Fußball haben und mutig nach vorne spielen.“

Trotz des Rückschlags bleibt Borussia Dortmund auf Tabellenplatz zwei, doch am Mittwoch beim Champions-League-Achtelfinale in Donezk muss der BVB souveräner agieren, um in der Ukraine bestehen zu können. Das könnte durchaus klappen, wenn es gelingt, das Misserfolgserlebnis schnell abzuschütteln. Klopp hat sich das fest vorgenommen: „Das Leben geht weiter, es endet nicht mit solch einem Dreck.“

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