Sport : Rodel-Asse drohen mit Boykott - Kunsteisbahn in Lake Placid sei lebensgefährlich

Die Weltmeister gaben auf, die anderen Rodel-Asse drohen mit dem Boykott der Rennen - der Auftakt-Wettbewerb bei den ersten Winter-Goodwill-Games in Lake Placid ist zu einer nervenaufreibenden Zerreißprobe zwischen den Sportlern und dem Ausrichter geworden. Stein des Anstoßes ist die in der Vorwoche fertig gestellte Kunsteisbahn am Mount Van Hoevenberg. Unter den gegenwärtigen Witterungsbedingungen stellt sie eine lebensgefährliche Bedrohung dar, erklärte der Physiotherapeut der deutschen Rodel-Mannschaft, Claus Alt, besorgt. Bei Minustemperaturen um 20 Grad sei die in einigen Kurven nicht richtig ausgebaute Piste für die Männer einfach zu schnell. Sollte es nicht schneien, kündigte Alt an, wollen Georg Hackl, Jens Müller und einige andere Elitefahrer nicht an den Start gehen.

Vorreiter für das Ansinnen des Olympiasiegers und Weltmeisters sind die frisch gekürten WM-Champion im Doppelsitzer, Patric Leitner und Alexander Resch. Im ersten Wertungslauf am Donnerstag war das Erfolgsduo aus Königssee und Berchtesgaden durch eine völlig verkorkste Fuhre nur auf dem achten Rang gelandet. "Wir sind nicht gefahren, sondern nur gerutscht. Wir hatten keinerlei Halt. Das hat alles keinen Zweck", schimpften beide über die schlechte Qualität des Eises und hatten nach der Irrfahrt die Nase voll. Statt der Siegprämie von 12 000 Dollar packten sie ihre Sachen und verzichteten auf ein zweites Desaster. Es gewannen die amerikanischen Olympia-Dritten Mark Grimette und Brian Martin in 1:37,823 Minuten knapp vor den WM-Zweiten Steffen Skel/Steffen Wöller (Winterberg/ 1:37,828).

Mit Krampf sei im Eiltempo etwas errichtet worden, was in vieler Hinsicht nicht den internationalen Ansprüchen entspricht, kritisierte Alt, der seit Jahrzehnten mit den Rodlern um die ganze Welt reist. Die Lage des 1600 m langen Eislabyrinths, das Investitionsmittel von über 24 Millionen Dollar verschlang, wäre zwar sehr schön, doch die Anlage als solche mit dem notwendigen Umfeld gleicht derzeit nur einem Provisorium. So müssen sich die Athleten bei dem eisigem Wind in Zelten umziehen. Es fehlen auch noch Wasseranschlüsse entlang der Bahn, so dass sie nicht zusätzlich vereist werden kann. Deshalb absolvierten die Bobfahrer, wie der Oberhofer Weltmeister Andre Lange berichtete, am Donnerstag auch nur eine Trainingsfahrt. Denn in den Kurven brachen Eisstücke heraus, die nicht ersetzt werden konnten.

Aus der großen Lust auf einen vergnüglichen Ausklang einer beispiellos erfolgreichen Saison ist bei den deutschen Kufenflitzern tiefer Frust geworden. "Die Sportler sind froh, wenn sie gesund nach Hause kommen", verriet Alt. Die ersten Stürze, wie der des US-Bobs mit dem erfahrenen Piloten Brian Shimer, endeten noch glimpflich.

Rodel-Bundestrainer Thomas Schwab, der nicht mitreiste, versetzten Alts Erzählungen in Angst und Schrecken. "Das gab es noch nie", echauffierte sich der Coach, "dass sich Hackl oder Müller weigerten runterzufahren. Dann muss mit der Bahn etwas nicht stimmen. Ich begreife das nicht." Die halsbrecherische Piste der Winterspiele von 1980 wurde extra deswegen weggerissen, weil sie unbefahrbar war. "Jetzt steht eine neue", so Schwab, "doch die Probleme sind die gleichen."

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