Rodeln : Auf der Bahn geht alles gut

Nach den beiden ersten Durchgängen im Einsitzer der Herren führen zwei deutsche Rodler. Die wichtigste Meldung aus dem Eiskanal von Whistler war jedoch eine andere.

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Vancouver 2010 - Rodeln
Halbzeit. Felix Loch führt nach zwei von vier Läufen. -Foto: dpa

Für die deutschen Rodler drohte die größte Gefahr nach der Zieldurchfahrt. Angesichts von Temperaturen um den Gefrierpunkt und Dauerregen machte sich Bundestrainer Norbert Loch nach dem zweiten Lauf der Einzelsitzer Sorgen, um die Gesundheit seiner Fahrer. Felix Loch und David Möller standen im dünnen Rennanzug und  ballettähnlichem Schuhwerk vor den internationalen Medien, mussten zahllose Fragen beantworten - und froren. „Die sind alle morgen krank“, sagte Norbert Loch und beorderte sie zum Umziehen.

Auf der Bahn zuvor ist alles gut gegangen. Das ist nach dem tödlichen Unfall des Georgiers Nodar Kumaritaschwili die wichtigste Nachricht: Es gab keine bemerkenswerten Stürze. Stattdessen machten die Rodler nur sportliche Nachrichten. Felix Loch führte vor der Entscheidung am Sonntag mit 0,282 Tausendstelsekunden Vorsprung vor seinem Landsmann David Möller, der Italiener Armin Zöggeler folgte auf Rang drei mit 0,432 Tausendstelsekunden Rückstand. „Es war schwierig mit dem Sturz umzugehen, aber wir haben das ganz gut hinbekommen“, sagte Felix Loch, „es war ein ganz normales Rennen, wie sonst auch.“ Das war es natürlich nicht.

Das drückten eine Schweigeminute und die Helme aller Rodler aus, auf denen ein schwarzer Streifen prangte. „Nodar Kumaritaschwili ist auf der linken Seite der Kurve 16 gestürzt, also tragen wir den Streifen auch auf der linken Seite, um ihm zu gedenken“, sagte der französische Fahrer Thomas Girod. Die „Thunderbird“-Zielkurve, in der die Fahrer mit der Höchstgeschwindigkeit durchjagen, war in der Nacht zuvor mit Brettern erhöht worden, damit kein weiterer Rodler dort hinausgeschleudert werden kann. An der Stelle, wo Kumaritaschwili starb, hat jemand Blumen hingelegt. Während des Rennens stand ein Krankenwagen an dieser Stelle, davor warteten zwei Ärzte und zwei Sanitäter. Sie musste nicht eingreifen.

Neue Startposition war auch zur Beruhigung der Fahrer gedacht

Das könnte daran gelegen haben, dass der Beginn der Herren-Rennen auf den Damenstart nach unten verlegt worden war. „Das ist die richtige Entscheidung“, sagte Felix Loch, „es sind auch Nationen dabei, die nicht so gute Rodler haben und  die so eine so schnelle Bahn nicht im Griff haben.“ Zum Beispiel der Bulgare Ivan Papukchiev, der schon beim Start zweimal gegen die Bande knallte und in der Zielkurve von oben nach unten pendelte. Bei ihm ließ sich erahnen, dass es im Rodeln Momente geben kann, an denen die Bahn das Kommando übernimmt und mit dem Fahrer macht, was sie will. Der tiefere Start sollte auch verhindern, dass die Fahrer in Whistler auf gefährliche Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 154 Stundenkilometer kommen. Doch im ersten Lauf erreichte Felix Loch auch vom tieferen Start aus eine Spitzengeschwindigkeit von 147,5 Stundenkilometern. „Das war am Limit“, sagte er.

Die neue Startposition war auch zur Beruhigung der Fahrer gedacht und hatte vor allem sportliche Auswirkungen. „Das kommt uns deutschen Fahrern entgegen“, sagte Andi Langenhan, der nach den ersten beiden Durchgängen auf Rang fünf lag, „wir sind alle gute Starter, da können wir uns oben einen guten Vorteil verschaffen.“ Weil die Strecke nun um rund 200 Meter kürzer ist, kommt dem Anfang des Laufes eine gestiegene Bedeutung zu. Für einen sehr guten Fahrer wie es Armin Zöggeler ist, bringt der neue Start den Nachteil, dass er seine Stärke nur noch kurz ausspielen kann.

Die Zuschauer taten so, als wäre am Vortag nichts geschehen. Sie lärmten, schrien und sangen. „Ich finde es gut, dass es heute relativ normal weitergeht“, sagt Andi Langenhan, „es sollte auch toleriert werden, dass wir fahren wollen und noch schöne Spiele erleben wollen.“ Nur einmal stöhnten die Zuschauer auf. Als der Schweizer Stefan Höhener nach einem Fahrfehler von seinem Schlitten fällt und durch den Eiskanal rutscht. Dann gelingt es ihm, wieder auf sein Sportgerät zu klettern und weiterzufahren. Die Zuschauer jubeln.

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