Rodeln : Fröhlicher Ausstand

Die Rodelpiloten Patric Leitner und Alexander Resch verabschieden sich mit einer Bronzemedaille vom Leistungssport. Ihre letzte Fahrt im Doppelsitzer wird zum Glanzstück.

Gregor Derichs[Whistler]
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DPA

Wenn Bronze wie Gold gefeiert wird, dann muss etwas Besonderes passiert sein. Als der Medaillengewinn von Patric Leitner und Alexander Resch feststand, war der Jubel im deutschen Rodler-Lager so groß wie beim Doppelsieg im Männer-Einzel. „Diesen dritten Platz werden wir feiern wie Gold. Es wird Bier in Massen fließen“, rief Resch. „Ich kann es kaum glauben, es ist sensationell. Jetzt fahre ich keinen Meter mehr“, freute sich Leitner. Der kleinere Resch, der „Rucksack“ genannte Untermann beim Schlitten-Duo, und der lange Steuermann Leitner legten im Whistler Olympic Sliding Centre auf ihrer allerletzten Fahrt auf dem Doppelsitzer ein Glanzstück hin. Polizist Leitner, 32, und Soldat Resch, 30, schlossen acht Jahre nach ihrem Olympiasieg in Salt Lake City ihre große Karriere ab, indem sie vom fünften noch auf den dritten Rang vorfuhren.

Nur zwei Brüderpaare harmonierten noch besser als die beiden Kerle aus Berchtesgaden. Die Österreicher Andreas und Wolfgang Linger (1:22,705 Minuten) wurden wie 2006 Olympiasieger, die Letten Andris und Jurios Sics gewannen Silber. Bundestrainer Norbert Loch war ergriffen. „Ich habe sie schon als kleine Burschen in Königssee kennengelernt. Wir verlieren ganz große Sportsmänner, zwei absolute Vollprofis“, sagte Loch, der mit dem Duo seit 1992 zusammenarbeitete.

Bei André Florschütz und Torsten Wustlich, den Silbermedaillengewinnern von 2006, hofft Loch noch, dass sie weitermachen. Die beiden 33-jährigen aus Friedrichsroda und Oberwiesenthal belegten Platz fünf. Sie wollen in Kürze entscheiden, ob sie ihre Karriere noch ein paar Jahre fortsetzen. Wustlich will sich um seine junge Familie kümmern. In Kürze wird er Vater, vom Zielraum rief er seine hochschwangere Frau an. Weder er noch Florschütz, dessen Bruder Thomas als Pilot im Vierer-Bob startet, haderten mit ihrem Ergebnis. „Im Training sind wir auf Platz neun und zehn rumgegurkt. Fünf ist schon ganz gut“, sagte Florschütz, der dreimalige Weltmeister. Mit der Verlegung des Starts nach unten auf den Junioren-Einstieg waren die ohnehin kleinen Medaillechancen geschwunden. „Für uns hätte die Bahn 500 Meter länger sein müssen“, meinte Florschütz.

Auch Resch und Leitner hatten Probleme mit der kürzeren Strecke. „Wenn ich den Architekten der Bahn kennenlerne, dann werde ich ihm die Meinung sagen“, drohte Resch. „Dieser Start ist für die Jugend. Aber so verliert sie den Spaß am Rodeln, dann geht sie zum Bull Riding“, sagte er. Die Startphase in Whistler ähnelte tatsächlich dem „Bullenreiten“. So wacklig suchten die Schlitten ihre Spur, dass manche von einem „Slalom-Start“ sprachen. Doch nach dem Todessturz des Georgiers Kumaritaschwili am vorigen Freitag akzeptieren alle Starter die Bahnverkürzung als Sicherheitsmaßnahme.

Mit der begeisternden Fahrt im Doppelsitzer haben die deutschen Rodler fünf Medaillen in Whistler abgegriffen. „Das ist ein phantastisches Ergebnis. Das ist eine Medaille mehr, als wir uns erhofft haben“, sagte Bundestrainer Loch, der erstmals bei Olympia für das Team verantwortlich war. Die Ergebnisse im Männer- und Frauen-Einzel sowie im Doppel seien „verdient“, sagte der Vater von Einer-Olympiasieger Felix Loch. „Es haben jeweils die besten der Saison vorne gelegen.“ Dass das im Rodeln vornehmlich die Deutschen sind, dürfte eigentlich keinen überraschen. Aber dass die führende Nation in dieser Sportart eine Bronzemedaille wie Gold feiert, ist auch mal was Neues.

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