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Rodeln in Sotschi : Natalie Geisenberger holt Gold

Weltmeisterin Natalie Geisenberger hat das zweite Gold der deutschen Rodler bei den Winterspielen von Sotschi 2014 eingefahren. Auch Kollegin Tatjana Hüfner hatte Grund zum Jubeln.

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Natalie Geisenberger sicherte sich Gold im Rodeln.
Natalie Geisenberger sicherte sich Gold im Rodeln.Foto: dpa

Ihren Vater hielt nichts mehr auf der Tribüne, er wollte runter an die Eisbahn. Helmut Geisenberger bahnte sich den Weg durch die Fotografen, um seine Tochter in die Arme zu schließen. Er hatte es kaum ausgehalten vor Nervosität, aber Natalie Geisenberger machte am Dienstagabend alles richtig. So wie schon am Tag zuvor, als sie die Basis gelegt hatte für den Erfolg im Sliding Center von Sanki. Mit einer eindrucksvollen Vorstellung gewann die Rennrodlerin vor Tatjana Hüfner die Goldmedaille.

Am Ende betrug der Vorsprung vor der Teamkollegin etwas mehr als eine Sekunde – im Eiskanal eine halbe Ewigkeit. „Ich wusste, dass ich gut aufgestellt bin. Aber man muss es auch erst einmal runterbringen“, sagte die Oberbayerin, die mit ihrem Triumph eine Tradition fortsetzte: Seit 1994 kommt die Rodel-Olympiasiegerin aus Deutschland.

Die aktuelle Weltmeisterin Geisenberger gewann in dieser Saison sieben ihrer acht Weltcups und holte in diesem Winter zum zweiten Mal hintereinander den Gesamtweltcup. Nur Gold bei Olympischen Winterspielen fehlte noch in ihrer Sammlung. „Olympiasiegerin – das ist noch gar nicht da oben angekommen“, gab sie kurz nach ihrem Triumph zu.

Der Unfalltod des Rodlers Kumaritaschwili machte Geisenberger 2010 zu schaffen

In Vancouver 2010 hatte die 26 Jahre alte Miesbacherin noch Hüfner den Vortritt lassen müssen. Die Konkurrentin war damals zwar die Favoritin, aber Geisenberger galt als Geheimtipp im Eiskanal von Whistler Mountain. Aber dann kam der Georgier Nodar Kumaritaschwili bei einem Trainingsunfall ums Leben, am heutigen Mittwoch vor genau vier Jahren. „Ich habe mich damals sehr schwer getan mit dem tödlichen Unfall von Nodar“, sagte Geisenberger einmal. Sie patzte im Wettkampf immer wieder – und war am Ende froh, zumindest noch die Bronzemedaille gerettet zu haben.

Dieses Mal war sie die lachende Triumphatorin. Tatjana Hüfner hatte zuletzt immer wieder mit Rückenbeschwerden zu kämpfen. Im Training war sie zudem nicht gut mit der Bahn oberhalb von Rosa Chutor zurechtgekommen. Im Wettkampf jedoch fand sie die richtige Linie im Eiskanal noch und distanzierte die Drittplatzierte Erin Hamlin aus den USA um gut zwei Zehntelsekunden. Gegen Geisenberger aber hatte sie keine Chance, wie so oft in den vergangenen beiden Jahren.

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Dass Geisenberger und Hüfner nicht die besten Freundinnen sind, ist kein Geheimnis. Und so wirkte die Umarmung der beiden besten Rodlerinnen an diesem Abend auch nicht herzlich, so wie es sich für zwei Teamkolleginnen eigentlich gehören würde, sondern ziemlich unterkühlt. Vor zwei Jahren waren die Eitelkeiten zwischen ihnen offen ausgebrochen, nachdem Hüfner sich am Königssee über einen Patzer von Natalie Geisenberger gefreut hatte. Die beiden sprachen daraufhin nicht mehr als nötig miteinander. Ein paar Wochen später, als bei den Weltmeisterschaften in Altenberg die Russin Tatiana Iwanowa versucht hatte, den deutschen Frauen den abonnierten WM-Titel streitig zu machen, rauften sie sich aber zusammen und beendeten die Eiszeit. Hüfner wurde damals doch noch Weltmeisterin und Geisenberger Dritte – gemeinsam stießen sie auf den Erfolg an.

Hüfner fühlt sich vom Verband benachteiligt

Doch der Graben zwischen den beiden Athletinnen scheint nach wie vor tief, zumal sich Hüfner benachteiligt fühlt. „Es wurde gerade mir persönlich schwer gemacht und mir wurden viele Steine in den Weg gelegt“, sagte die 30-Jährige am Dienstag nach dem Rennen. Ihr Trainer Andre Florschütz hatte im September nach Querelen im Verband seinen Job aufgegeben. „Ich habe das Gefühl, dass Natalie deutlich mehr unterstützt wird“, sagte die Olympia-Zweite auf der Siegerpressekonferenz in Krasnaja Poljana. Geisenberger sagte dazu lediglich: „Da kann ich nicht viel dazu sagen.“

Das sehr angespannte Verhältnis der beiden Kolleginnen dürfte den Teamwettbewerb zum Abschluss der Rodelentscheidungen am Donnerstag allerdings kaum beeinflussen. Geisenberger und Hüfner werden wohl professionell mit der Situation umgehen. Zuvor könnten Tobias Wendl und Tobias Arlt bei den Doppelsitzern am heutigen Mittwoch (15.15 Uhr, live im ZDF) den deutschen Triumph komplettieren. Zuletzt gingen 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano alle Rodel-Medaillen an Deutschland. Vor allem bei Großereignissen stellt sich die internationale Konkurrenz seit Jahren die Frage, wie die Dominanz der Deutschen zu erschlagen sei. Eine schlüssige Antwort hat bisher niemand gefunden.

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