Sport : Rodeln statt Radeln

Warum Lokalmatador Robert Bartko beim Berliner Sechstagerennen fehlt und lieber zum Wintersport fährt

Hartmut Moheit

Berlin - Den Startschuss zum 97. Sechstagerennen in Berlin wird Robert Bartko nicht hören. Anstatt am Abend des 24. Januar in der zugigen Hallenluft des Velodroms den Buckel krumm zu machen und kräftig in die Pedalen zu treten, wird der Sieger von 2004 und Berliner Publikumsliebling irgendwo in Oberhof am warmen Ofen sitzen. „Mit meiner Familie bin ich dann bei der Rodel-WM. Im Sommer haben wir Silke Kraushaar-Pielach kennengelernt, und die hat uns zu ihrem letzten großen Wettkampf nach Thüringen eingeladen“, erzählt der 32 Jahre alte Doppel-Olympiasieger und mehrmalige Weltmeister im Bahnradsport und ergänzt: „Ursprünglich war ja geplant, dass meine Familie ohne mich dorthin fährt.“

Für den Fall, dass er mit dem Belgier Iljo Keisse in Berlin hätte ein Team bilden können, wäre es auch so gekommen. „Doch das hat mir der Veranstalter verwehrt. Mit der Begründung, dass für mich bereits Andreas Beikirch vorgesehen sei“, sagt Bartko. „Das kann ich nicht akzeptieren, deshalb verzichte ich lieber auf dieses Rennen in meinem Wohnzimmer.“ Sein Argument für diese Entscheidung: Bartko fährt – mit einer Ausnahme – die gesamte Saison über schon sehr erfolgreich mit Keisse zusammen. Deshalb wollte er auch in Berlin mit seinem Partner starten. Bartko lobt seinen Stammpartner Keisse und sagt, „dass man Duos wie die Schweizer Bruno Risi und Franco Marvulli oder die Holländer Dany Stam und Robert Slippens auch nicht von vornherein trennen würde“.

Für den Sportlichen Leiter des Berliner Sechstagerennens, Dieter Stein, ist das zwar nachvollziehbar, aber im konkreten Fall setzt er seine Argumente dagegen. „Hätte Bartko diesen Wunsch nicht erst Ende November geäußert, wäre das sicherlich auch machbar gewesen.“ Schließlich spricht Stein auch davon, dass „Bartko über Jahre hinweg schon mit vielen Fahrern bei Sechstagerennen gefahren ist, man ihm letztlich auch in seinen Honorarforderungen entgegen gekommen sei“. Stein war extra ins Trainingslager nach Mallorca geflogen, um es noch zu einer einvernehmlichen Lösung kommen zu lassen. Bartko und Keisse waren aber längst unterschiedlichen Sponsoren als Namensgeber eines Teams versprochen worden. Geblieben sind gegenseitige Schuldzuweisungen, und ein vor allem für die an den sechs Tagen zu erwartenden 80 000 Fans unbefriedigendes Ergebnis. Zu den 18 Teams werden Bartko/Keisse nicht gehören.

Heinz Seesing, der Chef des Berliner Sechstagerennens, kann mit dieser sportlichen Einbuße dennoch leben. „Wir dürfen uns das Gesetz des Handelns nicht aus den Händen nehmen lassen. So ein Spektakel wie das Sechstagerennen kann schnell zum Wanderzirkus werden, wenn es von außen programmiert wird, ob durch die Fahrer oder ihre Manager“, sagt der 70-Jährige mit 45 Jahren Sechstageerfahrung. „Wenn im Vorfeld so die Sieger oder Rennabläufe bestimmt werden, ist das der Tod des Sechstagerennens.“ Mit dieser Meinung stärkt er ausdrücklich die Position seines Sportlichen Leiters Dieter Stein, dessen Können und Geschick in der Fahrer-Zusammenstellung über die Spannung bis zum letzten Sprint entscheidet.

Dem hätte ein Team Keisse/Bartko, das derzeit bei den Sixdays in Rotterdam mit an der Spitze liegt, nicht widersprochen. Doch eine solche Veranstaltung laufe laut Seesing nun mal nicht nur unter sportlichen Aspekten. Es seien wirtschaftliche Zwänge, die „ein längerfristiges Handeln notwendig machen“. So kann es Seesing auch nicht verstehen, dass Bartko, „der all seine anderen Forderungen erfüllt bekommen hat“, nicht noch eingelenkt habe. Zumal Andreas Beikirch aus Büttgen ein erfahrener Sechstagefahrer sei. Seesing sagt: „Gerade in diesem Jahr hat der Radsport derart an Popularität eingebüßt, dass jede Chance zur Trendwende genutzt werden muss.“ Zur Not eben auch ohne Robert Bartko, den tempofesten Fahrer, und Iljo Keisse, den jungen Wilden.

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