Sport : Röbers Zeit bei Hertha BSC läuft ab

KLAUS ROCCA

Selbst ein Sieg heute über den Karlsruher SC dürfte dem Trainer kaum helfenVON KLAUS ROCCA BERLIN.Irgendein Scherzbold hatte vor dem Saal im Hotel Esplanade die Folge der aufgeklebten Buchstaben "Galerie B" in "Bierlage" verändert.Man hatte ja so viel Zeit.Um 23.15 Uhr öffneten sich dann endlich die Saaltüren.Schnellen Schrittes und mit ernsten Mienen eilten die hohen Herren, Dutzende von Journalisten und Fotografen im Schlepptau, in einen Nebenraum und baten zur Pressekonferenz.Würde Jürgen Röber doch seinen Hut nehmen müssen? Er muß nicht.Noch nicht.Heute, im Spiel gegen den Karlsruher SC (15.30 Uhr, Olympiastadion), bekommt er noch eine allerletzte Chance. Eingeweihte glauben zu wissen, selbst ein knapper Sieg werde Röber nicht mehr helfen.Sein Glück sei in der Nacht zum Freitag gewesen, daß man auf der Suche nach einem Nachfolger noch nicht fündig geworden sei.Wohl auch nicht fündig werden konnte, weil Manager Dieter Hoeneß die Suche nur halbherzig vorantreibe und auf der gemeinsamen Sitzung des Hertha-Präsidiums mit Vertretern des Aufsichsrates wie ein Löwe um seinen Intimus gekämpft habe.Dabei waren sich Präsident Manfred Zemaitat, Vizepräsident Jörg Thomas und das Aufsichtsrat-Mitglied Robert Schwan schon nach der letzten Hertha-Schlappe in Stuttgart einig, daß Röber seinen Hut nehmen müsse.Nun ist es wohl nur ein aufgeschobener Abschuß des Trainers, dessen Vertrag noch bis Juni 1999 läuft. Röber bekam noch einmal die Möglichkeit, seine Position darzustellen.Auf Wunsch des Präsidiums und des Aufsichtsrates wurde Röber, der offenbar im Hotelzimmer von Hoeneß auf Abruf bereitstand, vom Manager in den Saal gerufen.Von 22.10 bis 22.50 stand er den Herren Rede und Antwort.Als er danach den Raum wieder verließ, verweigerte er jede Stellungnahme.Seiner Miene war zu entnehmen, daß er sich der Fast-Ausweglosigkeit seiner Situation bewußt war. Schon heute abend um 17.15 Uhr könnte Röbers Schicksal besiegelt sein.Über seinen möglichen Nachfolger gibt es reichlich Spekulationen.Ehe man einen gefunden hätte, wäre Röbers bisheriger Assistent Bernd Storck eine Interimslösung.Storck hat zwar aus Solidarität zu Röber stets höhere Ambitionen verneint, doch als Angestellter des Vereins bliebe ihm gar keine andere Wahl.Es sei denn, er verzichtete auf eine stattliche Abfindung. Eine Entlassung des Trainers bedarf zwar der Zustimmung des Aufsichtsrates, doch dessen Vorsitzender Rolf Schmidt-Holtz ("Ihr Journalisten hättet sicher gern das Fallbeil sausen sehen") hat dies als "Formalkram" abgetan.Man würde im Eventualfall "zustimmend nicken." Er selbst ist nicht beim Spiel, sondern in Frankreich. Röber entging dem Rummel um seine Person, indem er das für gestern nachmittag auf dem Maifeld vorgesehene Training kurzerhand absagte und mit der Mannschaft ein Trainingslager außerhalb Berlins bezog.Für ihn selbst ist diese Situation neu, "in der Form habe ich das noch nicht erlebt." Seine Entlassung (gemeinsam mit Manager Dieter Hoeneß und Co-Trainer Bernd Storck) beim VfB Stuttgart am 25.April 1995 kam damals völlig überraschend.Noch am Abend zuvor hatte VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder seinem Trainer Treue geschworen.Auch Bundestrainer Berti Vogts ("Der Fußball wird nicht besser, wenn man bei Mißerfolgen dauernd den Trainern die Schuld gibt") hatte die Entlassung kritisiert. Die Entscheidung gegen Röber fiel nach einer 1:3-Niederlage gegen den Karlsruher SC.Der ist heute Herthas Gegner ...

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