Sport : Rödl macht Mut

Alba Berlins Basketballer siegen gegen Bonn – auch weil der Trainer viel Selbstbewusstsein vermittelt

Helen Ruwald

Berlin - Martynas Mazeika fiel es leicht, seinen starken Auftritt beim 68:60-Sieg gegen die Telekom Baskets Bonn zu erklären. „Im Training bereiten wir uns auf das Spiel vor. Dann gehe ich aufs Feld und mache das, was der Trainer mir gesagt hat.“ Es klang so, als sei es völlig normal, dass er mit gerade 20 Jahren in einem Bundesliga-Spitzenspiel vor mehr als 8000 brüllenden Fans immerhin 14 Minuten lang die Rolle des Spielmachers übernahm – und das ziemlich souverän. Der litauische Junioren-Vizeweltmeister demonstrierte am Samstagabend in der Max-Schmeling-Halle das neue Selbstbewusstsein von Alba Berlin nach sieben Siegen in der Bundesliga in Folge, fünf davon unter dem neuen Trainer Henrik Rödl. Weil die bisher punktgleichen Bamberger in Quakenbrück verloren, sind die Berliner nun alleiniger Tabellenführer. „Bonn hat eine der besten Verteidigungen der Liga, es ist nicht leicht, gegen die zu treffen“, sagte Rödl, „es war ein Riesenkampf, Respekt vor unserem Team“.

Die deutschen Nationalspieler Mithat Demirel und Stefano Garris fehlten verletzt, dafür fügten sich andere problemlos ins Berliner Spiel ein: neben Mazeika auch der 22-jährige Sascha Leutloff, der erst Mitte der Woche von Albas Kooperationspartner TuS Lichterfelde ins Profiteam aufgerückt war. Schon in der vergangenen Saison hatte er gelegentlich für Alba gespielt und trat am Samstag in der ersten Halbzeit so auf, als sei er nie weggewesen. Zeitweise standen in Mazeika, Leutloff und Center Szymon Szewczyk drei Spieler gleichzeitig auf dem Feld, die maximal 22 Jahre alt sind. Leutloff freute sich denn auch, „dass das Spiel nicht gekippt ist, als wir Jungen gespielt haben“. Auch, aber nicht nur wegen der Verletzten gibt Rödl den Jungen eine Chance. Er wechselt sie früh ein, und sein Mut zahlt sich aus. In den meisten Spielen seit seinem Amtsantritt kamen alle Akteure zum Einsatz, am Samstag saß nur der 19-jährige TuSLi-Spieler Robert Kulawick die gesamte Zeit auf der Ersatzbank.

Grundlage für den Erfolg war die in den vergangenen Wochen wieder erstarkte Verteidigung der Berliner, für die allein Berlins Topscorer Jovo Stanojevic (17 Punkte) 14 Rebounds beisteuerte. Unter Rödl, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger Emir Mutapcic verstärkt auch auf Zonenverteidigung setzt, hat Alba alte Qualitäten in der Defensive wiederentdeckt. Und die Einstellung stimmt sowieso. Das stellte Teammanager Henning Harnisch auch am Mittwoch beim Pokalspiel beim Zweitligisten Rhöndorf fest, als „die Spieler noch in der 40. Minute nach dem Ball hechteten“ – dabei stand der 104:60-Sieg längst fest.

Rödl, in seiner aktiven Zeit ein unermüdlicher Kämpfer, habe dem Team „Klarheit vermittelt“, sagt Vizepräsident Marco Baldi, „er weiß genau, was er will, und wenn sich jemand nicht dran hält, zieht er die Konsequenzen“. Wie weit Albas Wandlung tatsächlich fortgeschritten ist, werde sich erst im Umgang mit Niederlagen herausstellen. Dann nämlich, wenn „die Spieler nicht mehr an Rödls Lippen hängen, sondern ganz mit sich selbst beschäftigt sind und von allen Seiten Leute kommen, die ihnen etwas einflüstern“. Die nächste Bewährungsprobe steht schon am Mittwoch beim Tabellendritten Rhein Energie Köln an.

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