Roger Federer bei den US Open : Die Angst vor dem Kamikaze-Stil geht um

Roger Federer haben bei den US Open viele auf der Rechnung. Auch weil der Schweizer sich einen neuen Schlag hat einfallen lassen.

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Federer zaubert mit 34 Jahren noch neue Tricks aus dem Ärmel.
Federer zaubert mit 34 Jahren noch neue Tricks aus dem Ärmel.Foto: dpa

Es war gar nicht so erstaunlich, dass Roger Federer vor einer Woche den Masters-Titel in Cincinnati gewann. Schließlich war es schon sein siebter. Erstaunlich war jedoch, wie der 34 Jahre alte Schweizer dieses Mal gewann. In einem geradezu wahnwitzigen Stil mit einem Kamikaze-Return, der eigentlich nur beim Herumblödeln im Training mit Stefan Edberg und Severin Lüthi entstanden war. Sein Gegner Novak Djokovic fand ihn im Endspiel aber gar nicht lustig. Wie auch schon Andy Murray vor ihm. Federers neuer Stil, den Ball kurz nach dem Springen zurückzuschlagen, ist zu Beginn der US Open großes Thema und wird bestaunt, als hätte er Tennis neu erfunden.

Ganz so ist es nicht, doch Federer hatte es geschafft, alle noch einmal zu überraschen. „Wenn man nach 17 Jahren mit etwas Neuem kommt, das die Welt noch nicht gesehen hat, dann fragen sich die Leute: ,Warum hat er das nicht früher schon gemacht?‘“, sagte Federer: „Deshalb hat es eigentlich so viel Spaß gemacht.“ Doch als Jux ist es nicht gedacht, vielmehr hat der 17-malige Grand-Slam- Sieger seinen härtesten Konkurrenten etwas zum Nachdenken gegeben. Sie müssen nun reagieren, wollen sie Federer an seinem sechsten US-Open-Titel hindern.

Federer hat Mut zum Risiko bewiesen

„Es liegt jetzt an uns und unseren Coaches, darüber nachzudenken“, sagte Djokovic, „Roger weiß genau, dass Andy und ich gerne mehr Zeit haben, uns zum Ball zu stellen. Sein aggressives Spiel verhindert das jetzt. Wir müssen uns etwas einfallen lassen.“ Der Ball liegt in der Hälfte der Gegner, und Federer hat ihn mit enormem Mut dort hingespielt. Denn gegen die besten Aufschläger der Welt bereits direkt am T-Feld die Bälle zu returnieren, wäre für die meisten Spieler Harakiri. Nicht für Federer. „Es ist ein unglaublicher Schlag und nur Roger kann den so spielen“, staunte auch sein Landsmann Stan Wawrinka. „Roger ist so schnell und antizipiert so gut, dass er den Ball so extrem früh nehmen kann. Mit diesem Überraschungseffekt erhöht er sofort den Druck und bringt den Aufschläger dazu, zu viel nachzudenken.“ Federer übertölpelte seine Gegner geradezu mit diesen ultra-aggressiven Angriffen . Bei seinen eigenen Aufschlägen streute er immer wieder die druckvolle Serve-and-Volley-Variante ein und blieb konstant bei dieser Taktik.

Federer hatte gleich in doppelter Hinsicht Mut zum Risiko bewiesen, denn taktische Umstellungen sind auch für einen Spieler seiner Qualität ein Wagnis, besonders vor einem Grand-Slam-Turnier. Doch wenn Federer die 18. Major-Trophäe noch gewinnen will, muss er aus seiner Komfortzone raus. Denn zuletzt schienen seine schärfsten Rivalen in den wichtigen Momenten genau zu wissen, wo der Schweizer verwundbar ist. Wie zuletzt im Finale von Wimbledon Djokovic.

Federer hat diesmal auf das Masters in Montreal verzichtet und Kräfte geschont, um in der schwülen New Yorker Hitze zwei Wochen lang zu bestehen. Doch die Hitze braucht Federer für die Kamikaze-Returns. Nur bei sehr schnellen Bedingungen funktioniert diese Taktik auf Hartplatz. „Ich gewinne das Match nicht wegen dieses Returns“, schränkte Federer ein, „aber es ist ein Puzzleteil. Und ich bilde mir ein, dass das Spuren hinterlässt beim Gegner. Ich weiß ganz genau, dass er vor dem zweiten Aufschlag denkt, dass ich es wieder machen könnte.“ Federer zaubert mit 34 Jahren noch neue Tricks aus dem Ärmel – wäre es da nicht an der Zeit, den Schlag nach ihm zu benennen? „Wir brauchten im Training einen Namen, da heißt er jetzt SABR (Sneaky attack by Roger).“ Vielleicht wäre „Der Federer“ dann doch besser.

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