Sport : Roger und er

Benedikt Voigt

Am Sonntag hat er wieder einmal gewonnen. Es war einer von so vielen großen und wichtigen Erfolgen, dass die Sportchronisten inzwischen nicht mehr nur seine Siege aufzählen, sondern auch berichten, wann er nicht gewonnen hat. Im ersten Halbjahr 2006 ist das zum Beispiel der Fall gewesen. Damals besiegte ihn sein Hauptkonkurrent, doch dieser ist zuletzt unerwartet früh ausgeschieden. Dieser Held des Sports wohnt in der Schweiz – und heißt nicht Michael Schumacher.

Roger Federer ähnelt immer mehr dem Formel-1-Profi Michael Schumacher zu seinen besten Zeiten. Der Schweizer Tennisprofi dominiert seine Sportart nach Belieben und schickt sich an, alle wichtigen Rekorde zu brechen. Sein jüngster US- Open-Sieg über Andy Roddick ist bereits der neunte Grand-Slam-Erfolg seiner Karriere, allmählich rücken die 14 Titel von Pete Sampras in seine Reichweite. Zum zweiten Mal in seiner Karriere hat er in einem Kalenderjahr drei von vier Grand-Slam-Turnieren gewonnen. Nur die French Open fehlen ihm noch. Nach dem 41. Turniersieg teilt er allerdings auch eine unangenehme Tatsache mit Michael Schumacher. Seine Dominanz beginnt der Sportart zu schaden.

Das ist traurig, denn Roger Federer spielt so ansehnlich und vielseitig Tennis wie keiner vor ihm. Trotzdem sinkt das Interesse an seinen Dauersiegen. Vielleicht sollte er sich einfach weiterhin an Michael Schumacher orientieren: Die Spannung steigern, indem er eine Saison lang unerwartet oft verliert. Danach stark zurückkommen – und zum richtigen Zeitpunkt abtreten.

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