Sport : Rollentausch im Wettskandal

Nach dem Geständnis von Ante S. geraten die Schiedsrichter Jansen und Marks in Erklärungszwang

Frank Bachner,Tanja Buntrock

Berlin - Das Protokoll umfasst 50 Seiten. Ante S. hat geredet, und er hat ausführlich geredet. Der Mann, der als Drahtzieher des Wettskandals gilt, hat drei Tage lang erzählt. Der Kroate erzählte auch von zwei weiteren, bislang nicht bekannten Regionalliga-Partien, die manipuliert worden seien. Thomas Hermes, der Anwalt von Skandalschiedsrichter Robert Hoyzer, weiß nicht, welche Partien Ante S. meint. Nach wie vor nähmen sein Mandant und er keinen Einblick in die Akten, „um nicht beeinflusst zu werden. Man kann davon ausgehen, dass das zwei Partien waren, die Hoyzer nicht gepfiffen hat“, sagt Hermes. Ziemlich sicher aber ist, dass im Juni der Prozess beginnen werde.

Der Verteidiger von Ante S., Stefan Conen, sagte dem Tagesspiegel, der Wettskandal habe keine über Deutschland hinausreichenden Dimensionen. Damit bezieht er sich auf Mutmaßungen, nach denen es auch in Österreich, bei Spielen von Casino Bregenz, Manipulationen gegeben habe. Nach Tagesspiegel-Informationen ist entgegen dem, was Hoyzer ausgesagt hat, Hoyzer selbst auf Ante S. zugekommen und habe Interesse an Spielmanipulationen gezeigt. Hoyzer habe als häufiger Gast im Café King irgendwann mitbekommen, dass er, Ante S., wette und beeindruckt gewesen sei von den Gewinnen. Das Café King in Berlin gilt als Zentrale des Skandals. Geschäftsführer ist Milan S., der Bruder von Ante S. Milan S. ist ebenso wie seine Brüder Ante und Filip in Untersuchungshaft. Hoyzer, sagte Ante S., habe mal einen Spruch gemacht. Sinngemäß: Man könne doch auch Partien manipulieren.

Im Geständnis von Ante S. wird auch der Berliner Schiedsrichter Dominik Marks beschuldigt. Ante S. bestätigt im Großen und Ganzen die Aussagen von Robert Hoyzer gegen Marks. Dominik Marks soll an drei Spielmanipulationen beteiligt gewesen sein. Zudem soll Marks von Ante S. ein Darlehen von 7000 Euro angenommen haben. Marks sollte dafür sorgen, dass die Regionalliga-Partie Hertha-Amateure gegen die Amateure von Arminia Bielefeld mit einem Sieg der Berliner endet. Aus Justizkreisen heißt es: „Marks hat keine großen Chancen, gnädig herauszukommen.“ Marks hat aber bislang alle Vorwürfe bestritten. Er habe kein Darlehen über 7000 Euro erhalten, und er habe keine Spiele manipuliert.

Auch Jürgen Jansen bestreitet alle Vorwürfe. Der Bundesliga-Schiedsrichter war schon von Hoyzer als Teil des Skandals bezeichnet worden, jetzt hat Ante S. diese Version wiederholt. An Jansen seien 25 000 Euro geflossen, damit der das Spiel Kaiserslautern – Freiburg manipuliere, sagte Ante S. Freilich: Direkten Kontakt habe er zu dem Referee nie gehabt. Jansen habe das abgelehnt. Das Geld habe der Kroate deshalb dem ehemaligen Fifa-Schiedsrichter Wieland Ziller übergeben. Ziller habe ihm, Ante S., mitgeteilt, dass er das Geld an Jansen weitergegeben habe. Er, Ante S., sei sich sicher gewesen, dass Jansen zumindest einen Großteil des Geldes erhalten habe. Das Spiel endete 3:0 für Kaiserslautern. Jansen wehrte sich sogar mit einer aufsehen erregenden Pressekonferenz gegen die Vorwürfe.

Ziller hatte schon im Februar in einer eidesstattlichen Erklärung mitgeteilt, dass ein kroatischer Geschäftsmann ihn mittelbar gefragt habe, ob er zur Einflussnahme auf Spiele bereit sei. Die Anwerbung selber sei über einen Spieler passiert. Den Namen wollte Ziller nicht nennen. Der Dresdner betonte aber, er habe sich einer Kooperation verweigert. Er habe weder selbst manipuliert noch habe er andere zum Betrug angestiftet.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hat vermutlich Milan S. in einer Zweier-Kombiwette 1500 Euro auf einen Sieg von Kaiserslautern gesetzt und 19 200 Euro gewonnen. Eine eher unbedeutende Rolle hat nach den Aussagen von Ante S. der Berliner Schiedsrichter Felix Zwayer gespielt. Er habe von Hoyzer lediglich 300 Euro erhalten, „um mal die Fahne unten zu lassen“. Auch Hoyzer hatte in seiner Aussage vor der Staatsanwaltschaft erklärt, er habe Zwayer damals gesagt, dass das Geld für diesen Zweck sei. Zwayer dagegen erklärte, er habe das Geld von Hoyzer erhalten, um die Zeche einer Geburtstagsfeier zu bezahlen. Zwayer hatte sich mit anderen Schiedsrichtern dem Deutschen Fußball-Bund anvertraut und damit den Wettskandal publik gemacht.

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