Sport : Rollstuhl-Marathon: Der geordnete Rückzug

Frank Bachner

Heinz Frei rollt jetzt mit einer Brille, mit einer modern geschnittenen Brille. Die meisten Hochleistungssportler tragen solche Brillen, der Hersteller ist dann in der Regel auch der Sponsor. So populär ist Heinz Frei jetzt also, dass er seit diesem Jahr noch einen weiteren Sponsor hat? Einen Brillen-Hersteller? Zu Hause, in Solothurn in der Schweiz, haben sie ja schon die Straße, in der Frei wohnt, umbenannt, in Heinz-Frei-Straße. Er ist ja ein Star im Rollstuhl, zweimaliger Paralympics-Sieger im Marathon, Weltmeister, Europameister.

Zum Thema Online Spezial: 28. Berlin-Marathon Ach, die Brille, sagt Frei abgekämpft im Zielraum, nein, die habe ihm keiner bezahlt, der Hersteller unterstütze ihn auch nicht. Er wird wahrscheinlich auch keinen weiteren Sponsor bekommen, obwohl er gestern wieder in Berlin gewonnen hat. Zum 14. Mal insgesamt, zum elften Mal in Folge. Vier Sponsoren hat er, warum soll ein weiterer kommen? Frei will sich schließlich langsam zurückziehen. Er ist jetzt 43, und der Abstand zu den anderen wird immer geringer. Gestern musste er zum Schluss sogar sprinten, der Franzose Joel Jeannot kam verflixt stark auf. Im vergangenen Jahr fuhr Frei noch 39 Kilometer allein, und seine einzige Sorge war, dass ihm ein Reifen platzt. Jetzt sagt Frei: "Ich frage mich, ob sich der Aufwand noch lohnt. Ich muss jetzt nicht mehr gewinnen." 15 bis 20 Stunden trainiert er in der Woche, er hat in 84 Marathonrennen gesiegt, natürlich muss er nicht mehr gewinnen. Rein theoretisch. Rein praktisch natürlich schon. Denn Frei ist zu erfolgreich, um sich jetzt einfach Niederlagen leisten zu können. Wenn so einer verliert, ist es immer auch gleich ein bisschen ein Denkmalsturz. Und dann kommt schnell der Gedanke: Ach ja, Freis große Zeit ist ja nun auch vorbei. Deshalb hat Freis Ankündigung, sich zurückziehen zu wollen, auch bestimmt etwas mit Prestige zu tun. Er möchte sich nicht übertrieben verbissen gegen Niederlagen stemmen, um dann doch zu verlieren.

Frei ist im Sommer noch viermal Europameister geworden, da sah er, "dass ich noch ein hohes Niveau habe". Nur: Wie lange noch? Also arbeitet er daran, seinen Nachfolger aufzubauen. Im Rehazentrum Nottwil, wo er arbeitet, formt er Talente. Nur haben die nicht mal annährend sein Niveau. "Derzeit", sagt Frei", gibt es hinter mir ein Loch." Er wird es erst mal überbrücken. "Zumindest noch 2002 komme ich nach Berlin, um zu gewinnen", sagt Frei.

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