Sport : Roman Weidenfeller

Wie Borussia Dortmunds Torhüter das Spiel gegen Schalke 04 erlebte

Felix Meininghaus

Das erste Mal legt Roman Weidenfeller gestern Nachmittag um 15.16 Uhr Hand an. Die BVB-Profis entrollen allesamt ein Transparent mit dem Schriftzug „Wir sind Borussia“ und tragen das Tuch in die Südkurve des Dortmunder Stadions. Weidenfeller stammt zwar aus der Pfalz, er erlernte das Torwartspiel einst bei den Sportfreunden Eisbachtal, doch welche Bedeutung in Dortmund Derbysiege gegen Schalke 04 haben, das weiß er inzwischen nur allzu genau. Den 2:1-Sieg mit dem BVB in der vorigen Saison auf Schalke, den er mit seinen Weltklasseparaden festhielt, bezeichnet der 26-Jährige noch heute als eines der größten Erlebnisse seiner Laufbahn.

Gestern verpasst der Torwart erst einmal seinen ersten Einsatz: In der dritten Minute bleibt er nach einem Freistoß von Christian Pander wie angewurzelt auf der Torlinie stehen und hat Glück, dass der Kopfball von Marcelo Bordon am Tor vorbeifliegt. In der Folgezeit hat Weidenfeller wenig zu tun, weil der BVB in der Anfangsphase meist nach vorne spielt. In der 27. Minute rennt er nach einem Weitschuss von Hamit Altintop, der neben dem Pfosten vorbeizischt, wutentbrannt aus dem Tor, um seine Vorderleute zusammenzustauchen. Der Wutanfall fruchtet, den Borussen gelingt es erstaunlich gut, den Gegner vom Tor fernzuhalten.

Weidenfeller fehlen die Möglichkeiten, sich auszuzeichnen. In der 36. Minute schnappt er sich an der Strafraumgrenze einen langen Ball – keine große Herausforderung. Die kommt kurz vor Halbzeit bei einem Schuss von Özil, den Weidenfeller nur abklatschen kann. Aber kein Schalker ist zur Stelle, im Gegenzug gelingt Frei die Führung für den BVB.

Nach dem Seitenwechsel hat Weidenfeller nicht mehr die eigenen Fans, sondern die Schalker Anhängerschaft im Rücken. Die üblichen Beleidigungen lässt er ungerührt an sich abprallen, eine Flanke von Rafinha pflückt er scheinbar mühelos weg. Kurz darauf hat er jedoch Glück, als ein Freistoß von Lincoln knapp am Tor vorbeirauscht. Dass er sein Handwerk hervorragend beherrscht, beweist Weidenfeller, als er eine Hereingabe von Lincoln mit großem Einsatz herunterholt. Was er sich jedoch bei der unnötigen Aktion denkt, als er das Spiel so provokativ verzögert, dass ihn Hamit Altintop schließlich umrempelt, weiß ganz allein Dortmunds Torhüter selbst. Zu Recht werden beide Kontrahenten für derlei Mätzchen mit Gelb bestraft.

In der Nachspielzeit besteht Weidenfeller seine letzte Bewährungsprobe bravourös, indem er einen Kopfball von Larsen entschärft. Wenige Momente später ist das Spiel vorbei. Dortmund hat 2:0 gewonnen. Weidenfeller sinkt auf die Knie und reckt die Fäuste in den grauen Himmel über dem Revier. Christian Wörns rutscht ihm in die Arme, innig umschlungen wälzen sich beide auf dem Rasen.

Weidenfellers Arbeitsnachweis kann sich durchaus sehen lassen: Das Revierderby gewonnen, keinen Gegentreffer eingefangen, bis auf ein paar kleinere Schönheitsfehler eine tadellose Leistung gebracht und dem ungeliebten Rivalen en passant noch die Meisterschaft vermasselt. Viel mehr geht nicht an einem einzigen Spieltag.

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