Román Riquelme : Renaissance der "magischen 10"

Die Copa América wird zur Bühne für Juan Román Riquelme. Der Mittelfeld-Regisseur traf schon vier Mal für die Argentinien und entwickelt sich doch noch zum Führungsspieler.

Jens Marx[dpa]
Riquelme Foto: AFP
Auf der großen Bühne. Juan Román Riquelme zelebriert ein Tor bei der Copa América. -Foto: AFP

Barquisimeto/Frankfurt Argentinien feiert wieder eine Nummer 10. Bei seinen bisherigen Auftritten als Spielmacher und Torschütze bei der Copa América in Venezuela hat Rückkehrer Juan Román Riquelme eine ganze Nation verzaubert. "Das ist der beste Riquelme aller Zeiten", schrieb die argentinische Sportzeitung "Olé" über den 29-Jährigen, der vor zehn Jahren in der "Albiceleste" debütierte und lange Zeit als Nachfolger von Argentiniens Legende Diego Armando Maradona galt.

Vor gut einem Jahr, im WM-Viertelfinale gegen Deutschland in Berlin, avancierte der begnadete Techniker mit den oft so traurigen Augen zur noch traurigeren Figur auf dem Feld. Oder besser: Neben dem Feld. Denn nach "Romys" Auswechslung kippte die Partie, Argentinien unterlag letztlich im Elfmeterschießen. Riquelme erklärte nach den Titelkämpfen und dem Trainerwechsel von José Pekerman zu Alfio Basile seinen Rücktritt. Hinzu kamen auf einmal Probleme bei seinem spanischen Verein FC Villarreal, der ihn kurzerhand an seinen Ex-Club Boca Juniors Buenos Aires auslieh.

Riquelme entwickelt sich zum Führungsspieler

Riquelme war es recht, in seiner Heimat erlebte er eine Renaissance. Im entscheidenden Final-Rückspiel um die Copa de Libertadores schoss er Boca mit einem Doppelpack im Alleingang zum 2:0-Sieg gegen Porto Alegre. Bei der Copa América traf der wegen seines manchmal melancholischen Spielstils kritisierte Regisseur schon vier Mal. Mehr Werbung in eigener Sache geht nicht. "Riquelme ist mittlerweile auch zum Torschützen geworden", schrieb die Zeitung "El Dia" und schwärmte von dessen neuer "Magie" - in seinen ersten 35 Länderspiel-Einsätzen war Riquelme lediglich auf acht Tore gekommen.

Explosivität ist nicht seine Stärke, weder auf dem Platz, noch verbal. Dennoch ist der Ballflüsterer, dessen zweiter Vorname Román Maradonas Trikot beim Abschiedsspiel der Fußball-Legende 2001 zierte, zum Anführer auf dem Platz geworden. "Es gibt einen neuen Román", schrieb "Clarin". "Er ist kompletter, mannschaftsdienlicher, entschlossener", charakterisierte ihn "Olé". "Einmal mehr hat sich gezeigt, dass seine geistige Geschwindigkeit den Unterschied ausmacht", schrieb "Pagina/12".

"Ich muss mich wohl fühlen und brauche immer jemanden, der mir auf die Schulter klopft", sagte Riquelme einmal über sich selbst. Sein Ex-Nationalcoach Pekerman, mit dem der Spielmacher bereits 1997 U-20-Weltmeister wurde, meinte während der WM in Deutschland, als Riquelme in der Heimat um Anerkennung kämpfen musste: "Wenn er in Brasilien spielen würde, wäre er "Riquelminho" und der Größte oder Zweitgrößte der Welt." Bei der Copa in Venezuela ist er auf dem besten Weg dahin.

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