Ronaldinho : Dickerchens Abschied

Ronaldinho wechselt für 21 Millionen Euro vom FC Barcelona zum AC Mailand. Damit geht bei Barca eine Ära zu Ende.

Julia Macher[Barcelona]
Ronaldinho
Abschied. Ronaldinho geht nach Mailand. -Foto: AFP

Zum großen Showdown erschien Ronaldinho in Gangsta-Rapper-Manier: Die Zöpfchen unters schwarze Käppi geschoben, die Brust mit schweren Silberketten behangen entstieg der Ex-Vorzeige-Fußballer einer Limousine mit abgedunkelten Scheiben, um seinen Abschied vom FC Barcelona zu verhandeln. Knapp 30 Stunden später ließ er sich in der gleichen Kluft zum Luxusrestaurant Botafumeiro fahren, diesmal war der Kopfschmuck quietschgelb und Ronaldinho hatte klar gemacht, dass er immer noch ein Star ist, mit dem sich Geld machen lässt – allen Schmähungen als „Gordinho“ (Dickerchen) zum Trotz.

Für 21 Millionen Euro wechselt der zweifache Weltfußballer zum AC Mailand, vier zusätzliche Millionen können erfolgsabhängig in die Kassen seines bisherigen Arbeitgebers fließen; das sind zehn Millionen mehr, als die Mailänder ursprünglich ausgeben wollten. Dem Deal vorausgegangen war ein zähes Ringen, das Anwälte von drei Klubs in Atem gehalten hatte. Neben Milan pokerte auch Manchester City, das zuletzt 32 Millionen Euro für Ronaldinho bot. Doch Manager und Bruder Roberto de Assis sagte nein, Ronaldinho wolle nach Italien und wenn AC Mailand sein Angebot nicht erhöhe, bleibe er in Spanien. Als Zeichen guten Willens verzichtete das Brüdergespann auf die ihnen zustehenden 15 Prozent der Ablösesumme.

Mit Ronaldinhos Abschied geht am Camp Nou eine Ära zu Ende. Denn der Mann, den der FC Barcelona 2003 für über 30 Millionen Euro von Paris St. Germain holte, war der Motor des „Circulus Virtuosus“: jenes von Laporta erfundenen Kreislaufes, nach dem sportlicher Erfolg zu wirtschaftlichem Gewinn führt, der wiederum weitere Titelgewinne garantiert. Drei Jahre lang bezauberte Ronaldinho das Camp Nou mit Hacken-, Zeh- und Schultertricks und gab dem depressiv vor sich hin dümpelnden Verein die Spielfreude zurück. Niemand drehte mehr Werbespots, verkaufte mehr T-Shirts als der Mann mit der Nummer zehn. Im Folgejahr stemmte Ronaldinho nicht nur den Liga- sondern auch den Europa-Pokal in die Höhe. Hätte man ihn damals verkauft, wäre der Superstar 60 Millionen Euro Wert gewesen, mäkelte Ex-Präsidiumsmitglied Sandro Rosell kürzlich. Aber Ronaldinho blieb, kehrte ausgebrannt von der Weltmeisterschaft 2006 zurück. Verletzungen wechselten sich mit Gerüchten über sein ausschweifendes Nachtleben ab, Samuel Eto’o schimpfte über die Star-Allüren seines Kollegen, der Klub verspielte zwei Mal in Folge die Meisterschaft. Laportas Zauberkreis war durchbrochen; Ronaldinho avancierte zur persona non grata, trotz der 71 für Barça erzielten Tore.

An Ronaldinhos letztem großen Auftritt in Barcelona verdiente übrigens auch einer, der den Circulus Virtuosus nur vom Hörensagen kannte. Denn bevor Ronaldinho in der Nacht auf Mittwoch mit neuen und alten Arbeitgebern auf den Vertrag anstoßen wollte, schlüpfte er durch den Hintereingang ins Restaurant. Fast hätte ihn niemand gesehen. Aber ein geistesgegenwärtiger Taxifahrer zückte sein Handy. Minuten später kauften sämtliche spanische Fernsehsender dem Mann die Bilder ab.

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