Ronaldinho : Nur noch Mitläufer

Weltstar Ronaldinho steckt in Barcelona in der Krise – geht er zu Chelsea?

Julia Macher
Ronaldinho
Ex-Strahlemann. Ronaldinho hat derzeit wenig zu lachen. -Foto: dpa

Barcelona – Mitten im Siegestaumel erinnerten sich die Fans des FC Barcelona an eines ihrer großen Idole, das das Ligaspiel gegen den FC Saragossa von der Tribüne aus verfolgte. Die „Ronaldinho, Ronaldinho“-Sprechchöre im Camp-NouStadion begannen just in dem Moment, als Lionel Messi die Katalanen mit seinem zweiten Tor wieder in Führung gebracht hatte. Sie ebbten ab und kamen wieder, als nach dem 4:1 niemand mehr an der Überlegenheit der Gastgeber zweifeln konnte. Es war ein Zeichen der Solidarität, eine Art herausgebrüllte Absolution für einen großen Fußballer, der zuletzt eher mit Saufeskapaden denn mit Dribbelkünsten auf sich aufmerksam gemacht hatte und beim Champions-League-Spiel gegen Olympique Lyon ausgepfiffen wurde.

Offiziell war der Brasilianer wegen einer Muskelzerrung in der rechten Wade nicht gegen Saragossa aufgestellt worden; inoffiziell mag auch sein emotionales Formtief eine Rolle gespielt haben. Denn Ronaldinho, Ex-Strahlemann und Noch-Werbeikone des katalanischen Klubs, durchmacht derzeit die wohl schwerste Krise seines Lebens. Drei Mal in Folge wechselte Trainer Frank Rijkaard den zweimaligen Weltfußballer aus. Im Team der Stars ist er statt Gestalter nur noch Mitläufer. Unkonzentriert und fahrig wirkt er auf dem Spielfeld. Nur wenn der Ball liegt, findet El Gaucho noch zu Größe. Seine beiden bisherigen Tore erzielte er durch Freistoß und Foulelfmeter. Immer lauter wurde die Kritik an seinen schwachen Auftritten. Dass der 28-Jährige kürzlich bis zum Morgengrauen in der barcelonesischen Szene-Diskothek Otto Zutz feierte, ließ sie nicht gerade leiser werden. Laut spanischen Medienberichten soll der FC Chelsea 70 Millionen Euro für den Brasilianer geboten haben; nach Informationen des Sportmagazins „kicker“ soll Ronaldinho bereits in der Winterpause für 48 Millionen Euro in die englische Hauptstadt wechseln.

Da sah sich der Klub doch zum Eingreifen genötigt. „Ronaldinho ist einer der Grundbausteine unseres sportlichen Projekts“, verkündete der Verein gestern per eiligst verbreitetem Kommuniqué. Es war ein Versuch, die Wogen zu glätten, bevor die Angelegenheit Ronaldinho endgültig zur Staatsaffäre wird. Ronaldinho selbst schweigt. Am Donnerstagvormittag huschte er durch den Seiteneingang auf Barcelonas Trainingsgelände und trainierte mit seinem persönlichen Coach abseits der Teamkollegen. Trainer Frank Rijkaard kündete an, den Brasilianer auf jeden Fall am kommenden Mittwoch beim Champions-League-Spiel gegen den VfB Stuttgart einsetzen zu wollen. Julia Macher

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