Sport : Ronaldo: Comeback mit Zweifeln

Fußball-Weltstar Ronaldo hat von Zweifeln die Nase voll. "Ich bin bereit, wieder der Alte zu werden. Mein Knie ist stark genug. Ich werde wieder spielen. Ich bin es gewohnt, dass die Leute schon tuscheln, wenn ich mir im Training ans Knie fasse", sagt Inter Mailands brasilianischer Torjäger. Doch 479 Tage nach dem wohl tragischsten Comeback-Versuch der Fußball-Geschichte und einer 21-monatigen Tour der Leiden mehren sich ausgerechnet in der heißen Phase vor der geplanten Rückkehr kritische Stimmen, die schon das vorzeitige Karriereende des Weltfußballers von 1996 und 1997 voraussagen.

"Niemand kann wissen, ob er nochmal der Alte sein wird", sagte sogar Italiens Nationaltrainer Giovanni Trapattoni skeptisch. Auslöser der neuerlichen Diskussionen war am Dienstag Ronaldos Ausfall wegen Knie- und Oberschenkelproblemen bei Inters 2:1 gegen den FC Watford im ersten Härtetest für die in drei Wochen beginnende Serie A. Eine Woche zuvor hatte Ronaldo beim 17:0 gegen ein Amateurteam erstmals seit April 2000 wieder gespielt und bei seinem 20-Minuten-Einsatz zwei Tore geschossen.

Gegen Watford soll der 24 Jahre alte Ausnahmestürmer nach Vereinsangaben lediglich aus Vorsicht nicht gespielt haben. Den nächsten Versuch will der Brasilianer am 19. August in einem Benefiz-Spiel gegen WM-Teilnehmer Senegal unternehmen.

"Seine Probleme sind eine Bagatelle", sagte Inter-Präsident Massimo Moratti beschwichtigend. Doch dass sie genau das nicht sind, befürchten mittlerweile sogar eingefleischte Inter-Fans. Beim Trainingslager in Bormio war im Mannschaftstraining nichts von Ronaldo zu sehen. Die Erklärung von Francesco Corbi aus Inters Mediziner-Team war auch recht dürftig: Ronaldo sei eine Maschine, die erst noch eingestellt werden müsse.

Am 12. April 2000 war diese Maschine zumindest vorläufig für den Fußball unbrauchbar geworden. Knapp fünf Monate nach seinem Patellasehnenriss im rechten Knie wurde Ronaldo im Pokalspiel gegen Lazio Rom eingewechselt. Nur sieben Minuten später sackte er nach einem Dribbling mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammen - wieder ein Patellasehnenriss.

Die qualvolle Rehabilitation hat Ronaldo seither nachdenklich gemacht. Zuletzt hatte sich der Superstar nach einem Besuch der brasilianischen Nationalmannschaft, die seine Hilfe mindestens ebenso nötig hat wie Inter, mit beinahe philosophischem Tiefgang zu Wort gemeldet: "Die größte Freude eines Fußballers ist, Fußball zu spielen. Manchmal habe ich an Aufgabe gedacht, aber dann ist mir wieder bewusst geworden, wie wichtig meine Rückkehr ist. Ich bin ein glücklicher Mensch, aber wäre ich kein Fußballer geworden, wäre ich nicht das, was ich heute bin." Als wichtigste Dinge im Leben bezeichnete Ronaldo "Kinder, Tore schießen und Liebe machen". Punkt zwei soll ab 26. August mit dem Saisonstart gegen den AC Perugia wieder zu Ronaldos Tagesordnung zählen.

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