Sport : „Roque will, wir wollen – nur die Bayern wollen nicht“

Manager Dieter Hoeneß über die Probleme seines Vereins Hertha BSC bei der Suche nach einem geeigneten Stürmer

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Herr Hoeneß, haben Sie die Meldungen aus dem Trainingslager der Bayern vernommen?

Wieso?

Weil Trainer Felix Magath Roque Santa Cruz zum bisherigen Gewinner der Saisonvorbereitung ernannt hat. Das ist der Stürmer, den Sie zu Hertha holen wollen.

Das bestätigt ja nur, dass wir mit unserer Überlegung richtig liegen.

Aber es erhöht Ihre Chancen nicht gerade.

Ich weiß, dass es sehr, sehr schwierig werden wird. Roque will zu uns, wir wollen ihn auch, am besten sofort. Aber die Bayern wollen nicht. Das hat nichts mit bösem Willen zu tun, sie sagen völlig zu Recht: Wir spielen in drei Wettbewerben, wir brauchen vier Stürmer. Sie wären mit Sicherheit gesprächsbereiter gewesen, wenn sich ihnen eine Alternative aufgetan hätte.

Was lässt Sie noch hoffen?

Mal abwarten, wie sich die Situation darstellt, wenn bei den Bayern alle Stürmer aus dem Urlaub zurück sind. Man muss einfach ein bisschen Geduld haben. In den nächsten Wochen kann noch einiges passieren.

Suchen die Bayern denn einen Stürmer?

Im Moment tun sie’s nicht. Aber eine Zeitlang haben sie darüber nachgedacht. Ich weiß zum Beispiel, dass sie sehr an Podolski interessiert sind. Manchmal geht das sehr schnell. Aber ich will mir nicht den Kopf der Bayern zerbrechen.

War es vielleicht ein Fehler, sich bei der Suche nach einem Stürmer ausschließlich auf Santa Cruz zu konzentrieren?

Nein, erstens gibt es auch noch zwei andere Kandidaten, die für uns in Frage kommen, und zweitens hatten wir bei einigen anderen eben nicht das Gefühl, dass es hundertprozentig passt. Bei Vratislav Lokvenc zum Beispiel. Der wäre zu Fuß zu uns gekommen. Aber von fünf Punkten, die für uns wichtig waren, sprachen nur drei für ihn, vielleicht vier. Deshalb haben wir uns für Santa Cruz entschieden.

Was spricht für ihn?

Da kommt einiges zusammen. Wir haben mehrmals miteinander gesprochen, und wir sind sicher: Er passt sowohl menschlich als auch sportlich zu uns. Er ist erst 23, hat also noch Entwicklungspotenzial.

Ärgert es Sie, dass Ihr Interesse so früh öffentlich geworden ist?

Anders wäre es uns lieber gewesen, aber das liegt auch daran, dass sich Roque ab einem bestimmten Zeitpunkt ganz klar positioniert und gesagt hat: Ich möchte zu Hertha. Da wäre es doch kindisch gewesen, so zu tun, als wäre an der Sache nichts dran.

Gibt es eine Vereinbarung, dass Santa Cruz spätestens 2006 zu Hertha kommt?

Es gibt Gespräche darüber, die Bedingungen sind verhandelt. Wir haben aber noch zwei Pfeile im Köcher. Zwei Spieler, deren Namen noch nicht genannt wurden.

Diego Klimowicz vom VfL Wolfsburg zählt also nicht dazu?

Klimowicz war so unrealistisch nicht. Vor einem halben Jahr haben wir mal miteinander geredet. Er wollte zu Hertha. Aber man wusste damals nicht, wie schwer seine Verletzung ist. Hinzu kommt sein Alter, und dann hätte Wolfsburg noch eine Ablöse verlangt. Inzwischen hat sich das Thema erledigt, weil Wolfsburg ihn gar nicht mehr gehen lassen will.

Macht Herthas finanzielle Situation die Stürmersuche so schwierig?

Natürlich spielt die finanzielle Situation eine Rolle. Aber nicht, weil die besonders angespannt ist, sondern weil wir den Kurs der Vernunft fahren. Wir haben keine Transfererlöse erzielt, also können wir auch keine großen Transferausgaben tätigen. Wenn man trotzdem eine optimale Lösung finden will, dauert es eben etwas länger. In zwei, spätestens in drei Jahren werden wir aber wieder eine ganz andere wirtschaftliche Basis haben.

Liegt Ihnen Falko Götz, Ihr Trainer, nicht jeden Tag in den Ohren?

Nein, wir haben uns darauf verständigt, dass wir nicht irgendeinen Stürmer verpflichten, nur damit wir einen haben. Ein Stürmer wäre gut, aber er garantiert noch keinen Platz in der Champions League. In der jetzigen Konstellation ist die Mannschaft stark genug, das Ziel internationaler Wettbewerb zu erreichen. Bis zum Ende der Transferperiode sind es zudem noch fast acht Wochen. Je näher der 31. August rückt, desto mehr Bewegung kommt auf den Markt. Mir ist da überhaupt nicht bange. Nicht mal ansatzweise.

Das Gespräch führte Stefan Hermanns.

Dieter Hoeneß (52) ist seit 1997 Manager des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Als Spieler absolvierte er sechs Länderspiele und wurde 1986 Vize-Weltmeister.

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