Sport : Rostock gibt sich auf

Hansa rückt mit dem 1:3 gegen den Hamburger SV der Zweiten Liga ein großes Stück näher

Karsten Doneck[Rostock]

Wie eine Kampfansage klangen die Worte längst nicht mehr. „Wir müssen die letzten drei Spiele jetzt allesamt gewinnen“, sagte Marc Stein. Aber im Gesicht des Verteidigers von Hansa Rostock zeichneten sich nicht nur die Spuren eines 90-minütigen Kampfes ab, sondern auch die von Enttäuschung, von Resignation. Die verdiente 1:3 (0:2)-Heimniederlage gegen einen lange Zeit aufgeweckt spielenden Hamburger SV stürzt die Rostocker in höchste Not: Drei Spieltage vor Saisonschluss droht bei fünf Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz der bittere Abschied aus der Fußball-Bundesliga. Und als Marc Steins Erwartungen auf eine Siegesserie noch einmal kritisch hinterfragt wurden, da antwortete auch er grundehrlich: „Das ist doch das einzige, woran wir uns jetzt noch klammern können.“ Das ist wohl wahr.

Wie glücklich ist da doch der Hamburger SV dran. Eine Serie von sechs sieglosen Spielen fand in Rostock ihr Ende, zumindest das Erreichen des Minimalziels, die Teilnahme am Uefa-Pokal, hat der HSV weiter in der Hand. Selbstvertrauen gibt den Hamburgern auch, dass gleich auch noch ein paar andere dunkle Serien ausgelöscht wurden: Ivica Olic zum Beispiel traf erstmals wieder nach 509 Spielminuten, sein elftes Saisontor brachte den HSV nach einer guten Viertelstunde in Führung. Olic beendete damit auch noch eine 385-minütige trefferlose Phase des HSV. Und kurz nach der Pause erzielte er auch noch das vorentscheidende 3:0. Dazwischen hatte der zuletzt ebenfalls kriselnde Rafael van der Vaart mit einem Seitfallzieher das 2:0 erzielt.

„Wir haben zu viele Chancen zugelassen, die hat der HSV eiskalt genutzt“, stellte Hansas Verteidiger Tim Sebastian nahezu emotionslos fest. Und Frank Pagelsdorf, der Rostocker Trainer, fand gerade in der ersten halben Stunde „die Effektivität des HSV nahezu optimal, denn die schießen zweimal auf unser Tor und zweimal ist der Ball drin“. Zumindest bis zum 0:1 hatte der FC Hansa seinerseits die Hamburger Abwehr gleich mehrfach auf die durchaus vorhandenen Schwachstellen abgeklopft, sich aber in torreifen Situationen nicht entschlossen genug gezeigt. Frank Rost, der HSV-Torwart, konnte sich bei einem Freistoß von Tobias Rathgeb und bei einem Kopfball von Gledson schon frühzeitig auszeichnen.

Doch Hansa Rostock – das ist im Abstiegskampf ein sehr labiles Gebilde. Der erste Gegentreffer von Olic warf die Mannschaft gleich aus der Bahn. Sofort griff Verunsicherung um sich, einfache Bälle versprangen, Fehlpässe in die Beine des Gegners häuften sich. Das Publikum reagierte genervt. Mitte der zweiten Halbzeit, als gar nichts mehr ging, stellten die Hardcore-Fans lautstark singend den Profis auf dem Rasen die provokante Frage: „Und ihr wollt Hansa Rostock sein?“ Aufmunterung im Abstiegskampf sieht wohl auch etwas anders aus.

Eher dem Nachlassen des HSV war es zu verdanken, dass Hansa wenigstens noch zum 1:3 kam: Das Tor allerdings war ein Eigentor von Joris Mathijsen, der einen in die Mitte geschlagenen Ball ins eigene Netz lenkte. Keine Schuld an der Niederlage trifft Jörg Hahnel. Der muss als Torwart für den Rest der Saison für Stefan Wächter einspringen, der nach einem Kreuzbandriss auf Krücken humpelnd ins Stadion kam.

Rostock spielt an den letzten Spieltagen auswärts bei Hannover 96 und dem VfL Bochum, daheim geht es nur noch gegen Bayer Leverkusen. Dieses Programm hört sich stark nach Abschiedstournee an.

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