Sport : Rot ist die Hoffnung

In neuen Trikots überzeugt das deutsche Team im Testspiel durch ein 3:0 über Kamerun

Michael Rosentritt[Leipzig]

Fast hätte das Spiel gar nicht stattgefunden. Kameruns Fußballprofis saßen noch kurze Zeit vor dem Anpfiff des Freundschaftsspiels gegen Deutschland in ihrem Mannschaftshotel und stritten über ausstehende Gelder, die der kamerunische Verband noch nicht bezahlt hatte. „Wenn sich das nicht ändert, wird es schwer für eine afrikanische Mannschaft nach oben zu kommen“, sagte Winfried Schäfer. Seit seinem Amtsantritt kämpft Kameruns Trainer mit organisatorischen Problemen. Gerade noch rechtzeitig schaffte es sein Team ins Leipziger Zentralstadion – und enttäuschte. 3:0 (0:0) siegte das deutsche Team vor 44200 Zuschauern gegen Kamerun. Kevin Kuranyi und der eingewechselte Miroslav Klose mit zwei Treffern schossen in der guten zweiten Halbzeit die Tore. Es war der dritte Erfolg im vierten Länderspiel für den neuen Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

In den ruhigen Anfangsminuten hatten die Zuschauer Zeit, sich an die neuen roten Trikots der deutschen Nationalmannschaft zu gewöhnen, die künftig bei Auswärtsspielen getragen werden sollen. Falls sie es überhaupt rechtzeitig in das umgebaute Zentralstadion geschafft hatten, denn zahlreiche Baustellen und Verkehrssperrungen erschwerten die Anfahrt. Aus Kreisen des Deutschen Fußball-Bundes war gestern zu erfahren, dass der Verband mit dem Stand der Vorbereitungen im WM-Standort Leipzig noch nicht zufrieden ist.

Auch spielerisch sah man gestern in Leipzig zu Beginn wenig WM-reifes. Nach einem verhaltenen Start konnte sich das deutsche Team um Kapitän Michael Ballack einige Vorteile erspielen. In der 12. Minute kam Bernd Schneider nach einem schönen Spielzug und einem Pass von Bastian Schweinsteiger aus 12 Metern frei zum Schuss, doch der Leverkusener trat den Ball links am Tor vorbei.

In der 22. Minute kamen Kameruns Spieler, die lustlos und zerstritten wirkten, zum ersten und einzigen Mal in der ersten Halbzeit gefährlich vor das Tor des deutschen Teams. Samuel Eto’o, Kameruns Star vom FC Barcelona, prüfte Torwart Jens Lehmann mit einem Schuss aus spitzem Winkel. Der Torwart vom FC Arsenal hielt und durfte sich erstmals neben den ständigen Pfiffen einiger Fans auch Applaus anhören. Das Torwartduell, das Lehman mit seinem Konkurrenten Oliver Kahn austrägt, macht sich nun auch akustisch bemerkbar.

Ein Tor gelang Michael Ballack auch in der ersten Halbzeit, als er einen Freistoß ins Tor schoss. Doch es zählte nicht: Schiedsrichter hatte de Santis den Ball noch nicht freigeben. „Wir müssen noch mehr das Tor machen wollen“, bemängelte Kotrainer Joachim Löw zur Halbzeit.

Tatsächlich drückte das deutsche Team nach der Pause auf Kameruns Tor. Gerald Asamoah hatte in der 51. Minute Pech, als er beim Torschuss auf dem nassen, tiefen Boden ausrutschte. Drei Minuten später zielte Kevin Kuranyi aus 15 Metern nur knapp am Tor vorbei. Klinsmann wechselte Miroslav Klose und Thomas Hitzlsperger für Asamoah und Lahm ein. Kurz darauf verlängerte Klose an der Mittellinie mit dem Kopf einen Pass auf Kuranyi, und dieser stürmte zum verdienten 1:0 auf und davon. Danach erzielte Klose nach einer Hereingabe von Torsten Frings auch noch das 2:0. Das Spiel war gewonnen, erst recht als Eric Djemba-Djemba mit Gelb-Rot vom Feld musste. Klose erhöhte kurz vor Schluss sogar noch auf 3:0. Die Leipziger Fans sangen. Nur ein Deutscher sah es mit Grausen. Winfried Schäfers Position ist nach dieser Niederlage stark gefährdet.

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