Sport : Rot rettet Blau

Benedikt Voigt

Die Bewohner der Münchner Vororte Garching, Oberschleißheim und Ismaning haben es seit einiger Zeit einfach. Sie müssen nicht mehr die Zeitung lesen, um die Spieltermine des TSV 1860 München und des FC Bayern zu erfahren. Es genügt ein Blick auf die einige Kilometer entfernte Allianz- Arena. Leuchtet sie rot, kicken die Bayern, strahlt sie blau, wurschteln sich die Löwen durch die Zweite Liga. Allerdings könnte es demnächst schwieriger werden, den Heimverein zu bestimmen. Die Allianz-Arena könnte röter werden.

Der TSV 1860 München hat sich mit dem Bau des neuen Stadions übernommen. Der Zweitligist hat laut Geschäftsführer Stefan Ziffzer zehn bis fünfzehn Millionen Euro Schulden und wird die Saison mit einem Defizit von 7,5 Millionen Euro abschließen. Die Lage ist prekär, weshalb die Deutsche Fußball-Liga bereits Lizenzierungsschwierigkeiten ankündigt. Der TSV 1860 plant nun, Anteile an der Allianz-Arena abzugeben. Dem Zweitligisten gehören 50 Prozent, der FC Bayern hält die andere Hälfte. Doch diese Gleichberechtigung hat nie das wahre Kräfteverhältnis zwischen beiden Klubs abgebildet, sie rührt noch aus einer Zeit, als der 1860-Patron Karl-Heinz Wildmoser ehrgeizige, realitätsferne Pläne hegte. Der barocke Präsident ist weg, die Champions League ist längst außer Reichweite, vielmehr geht es ums finanzielle Überleben. Ausgerechnet der Rivale kann nun helfen und weitere Anteile am neuen Stadion hinzukaufen. Rot rettet Blau – das würde dem wahren Kräfteverhältnis entsprechen.

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