Sport : Rot und Sieg

Der HSV schlägt Moskau zum Abschied 3:2

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Man glaubt ja nicht, dass der HSV einen in dieser Saison noch überraschen kann. Von wegen. Gestern hat Thimothee Atouba ein neues absurdes Stück aufgeführt. Der Linksverteidiger der Hamburger sah beim 3:2 (1:1) gegen ZSKA Moskau die Rote Karte – weil er die eigenen Fans mit dem Stinkefinger bedacht hatte und obwohl er schon ausgewechselt war. Atouba war zuvor bei jedem Ballkontakt von den Zuschauern ausgepfiffen wurde. Die Fans hatten den Kameruner für die beiden Gegentore verantwortlich gemacht. Der HSV schien endgültig am Ende – und kam zurück. In den letzten 20 Minuten machte er aus einem 1:2-Rückstand noch einen 3:2-Sieg. Der eingewechselte Boubacar Sanogo erzielte in der letzten Minute den entscheidenden Treffer.

Die Episode um Atouba schien perfekt zu passen in die Horrorsaison der Hamburger. Am Ende aber feierten die knapp 50 000 Zuschauer so, als sei der HSV ins Achtelfinale der Champions League eingezogen. Dabei war es nur der zweite Sieg im 24. Pflichtspiel dieser Saison. Für die Hamburger, längst ausgeschieden aus allen europäischen Wettbewerben, ging es eigentlich nur noch um die Ehre, für Thomas Doll immerhin um den Arbeitsplatz. Seine Mannschaft lieferte gestern neue Argumente für seine Weiterbeschäftigung. Sie steckte weitere Rückschläge weg und erkämpfte sich den Sieg.

Dabei hatte es für die Hamburger so angefangen wie so oft zuletzt: äußerst unglücklich. Atouba, in den vergangenen Wochen ein ständiger Unsicherheitsfaktor, brachte Krasic im Strafraum zu Fall, den Elfmeter verwandelte Ivica Olic zum 1:0 für die Moskauer. Aber der HSV ließ sich nicht lange beirren. ZSKA erarbeitete sich in der ersten Halbzeit keine einzige Chance mehr, die Hamburger spielten vor der Pause ansehnlich und diszipliniert. Nur fünf Minuten nach dem Rückstand glichen die Hamburger aus. Atouba verlängerte eine Ecke von Piotr Trochowski, am zweiten Pfosten lenkte Besart Berisha den Ball über die Linie. Der 21-Jährige stand gestern zum ersten Mal in der Anfangself.

Nach der Pause aber schwand die Überlegenheit der Hamburger. Bezeichnend war das Abwehrverhalten vor dem 1:2. Juri Schirkow konnte 40 Meter mit dem Ball durch die HSV-Hälfte laufen, vorbei an vier Hamburgern, die ihn nicht störten. Als in letzter Instanz der schon verwarnte Atouba nur halbherzig eingriff, fiel es Schirkow nicht schwer, Torhüter Stefan Wächter zu überwinden. Alles deutete auf einen weiteren Rückschlag für den HSV hin, doch dann trafen Kapitän Rafael van der Vaart zum Ausgleich und Sanogo zum Sieg.

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