Sport : Rot vor Liebe

Michael Schumacher feiert seinen zweiten Saisonsieg in der Formel 1 – und vor allem sein neues Auto

Karin Sturm

Barcelona. Der Einstand für Michael Schumacher und Ferrari mit dem neuen Auto hätte besser nicht sein können. Der F2003 GA begann seine Rennkarrriere in Barcelona da, wo der F2002 vor zwei Wochen in Imola aufgehört hatte – mit einem Sieg. „Das ist natürlich ein optimales Ergebnis für ein neues Auto, ein fast perfekter Tag“, freute sich Schumacher. Und entdeckte doch noch einen kleineren Schönheitsfehler an seinem Triumph. „Absolut perfekt wäre der Tag gewesen, wenn auch noch mein Teamkollege hinter mir Zweiter geworden wäre.“ Rubens Barrichello fuhr ebenfalls recht stark, musste sich aber beim Großen Preis der Formel 1 in Barcelona hinter dem Spanier Fernando Alonso, der vom einheimischen Publikum zum eigentlichen Helden des Rennens erhoben wurde, mit Rang drei begnügen.

Ein völlig verkorkstes Wochenende erlebten dagegen die bisher so erfolgreichen McLaren-Mercedes: WM-Spitzenreiter Kimi Räikkönen, der nach einem dicken Patzer im Qualifying vom letzten Startplatz aus ins Rennen gehen musste, krachte am Start in den stehen gebliebenen Jaguar von Antonio Pizzonia und war sofort draußen. Und David Coulthard hatte nach einer leichten Kollision mit Jarno Trulli und einem frühen Boxenstopp eine viel versprechende Aufholjagd gestartet. Doch Jenson Button beförderte ihn später von der Strecke.

Durch den Totalausfall der Silberpfeile kam Ferrari in der Konstrukteurswertung auf drei Punkte an McLaren-Mercedes heran, Michael Schumacher liegt nur noch vier Zähler hinter Kimi Räikkönen. „Als ich gleich in der ersten Runde Kimis Auto gesehen und gewusst habe, dass er draußen ist, habe ich natürlich gleich ein bisschen angefangen zu rechnen in Sachen WM und gewusst, dass wir jetzt einfach einen optimalen Job machen müssen, um die maximale Punktzahl zu holen“, sagte Schumacher.

Michael Schumacher war am Ende mit seinem neuen Ferrari sehr zufrieden. „Das Auto ist problemlos gelaufen, wir hatten keine Probleme mit der Zuverlässigkeit. Und es ist auch sehr schnell und fährt sich ausgesprochen angenehm. Ich liebe es regelrecht. Wir waren uns natürlich darüber im Klaren, dass Renault, auch bedingt durch die Reifensituation, hier ein sehr starker Gegner sein würde. Ich glaube, mit dem alten Auto hätten wir hier nicht mehr gewonnen.“

Der große Held der spanischen Formel-1-Fans war jedoch nicht unbedingt Michael Schumacher, trotz seines insgesamt fünften Sieges in Barcelona. Die Einheimischen freuten sich weitaus mehr über ihren Landsmann Fernando Alonso. Um ihn herum herrschte im Fahrerlager nach dem Rennen ein unübersichtliches Gedränge. Menschenmassen umlagerten das Renault-Motorhome, als sich Alonso zusammen mit seinem Teamchef Flavio Briatore den Fotografen stellte. Wie der 21-Jährige im Renault mit Michael Schumacher im Ferrari mithielt, und lediglich beim Überrunden der anderen Fahrer meist ein klein wenig Zeit einbüßte, das verdiente Respekt. „Bis zwei Runden vor Schluss habe ich immer noch versucht, Druck zu machen, erst dann habe ich mich wirklich mit Platz zwei begnügt“, sagte der Spanier. Auf der Auslaufrunde und bei der Siegerehrung ließ er sich von 96 000 begeisterten Fans feiern. Der Alonso-Effekt hatte ja schon vorab funktioniert und wesentlich mehr Fans als in früheren Jahren an die Strecke gelockt. „Das war für mich ein unglaubliches Erlebnis, ein tolles Gefühl, die Unterstützung so vieler Leute zu spüren. Diesen Tag werde ich nie in meinem Leben vergessen.“

In der WM liegt Alonso jetzt schon auf Platz drei. Und der Erfolg macht ihn mutig. Er hofft, nun auch auf den meisten anderen Strecken vorne mitmischen zu können. „Wir haben ein Auto, das vom Chassis her und von der Aerodynamik sehr gut ist. Die Michelin-Reifen funktionieren bei uns sehr gut, also warum sollen wir nicht weiter gut mit dabei sein?“, fragte Alonso.

Dass Renault in diesem Jahr sogar ein ernsthafter Konkurrent für BWM-Williams um den dritten Platz in der Konstrukteurs-WM werden könnte, schließt inzwischen selbst BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen nicht mehr aus. Die Weißblauen kamen nach großen Problemen im Training mit den Plätzen vier und fünf für Juan-Pablo Montoya und Ralf Schumacher noch einmal mit einem blauen Auge davon, wie Ralf Schumacher meinte. Bei einem unfreiwilligen Ausflug in die Wiese hatte er am Auto ein Verkleidungsteil verloren, „woraufhin mein Auto böse übersteuerte“. Kein Erfolgserlebnis hatten auch die beiden Mönchengladbacher Sauber-Piloten: Nick Heidfeld wurde Zehnter, Heinz-Harald Frentzen schied mit einem Aufhängungsdefekt an seinem Fahrzeug aus.

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