Sport : Roter Punkt auf dem Radar

Nach dem Sieg gegen Manchester City fühlen sich die Bayern wieder als europäischer Spitzenklub

Carsten Eberts[München]
Duo mit vier Fäusten. Der überragende Franck Ribéry beglückwünscht den zweifachen Torschützen Mario Gomez (l.). Foto: dapd Foto: dapd
Duo mit vier Fäusten. Der überragende Franck Ribéry beglückwünscht den zweifachen Torschützen Mario Gomez (l.). Foto: dapdFoto: dapd

Spätabends erzählte Mario Gomez noch eine kleine Geschichte aus Spanien, dort kommt schließlich sein Vater her. „Ich weiß mit meiner Erfahrung aus Spanien, dass der FC Bayern im Ausland einen sehr hohen Stellenwert hat“, sagte er, „dort sind wir eigentlich immer Favorit.“ Diese Aussage ist allein deshalb bemerkenswert, weil Spanien das Land stets hochfavorisierter Klubs wie Real Madrid oder dem FC Barcelona ist. Sie zeigt auch, wie sich derzeit die Kräfte in Europa verschieben: Die Bayern, die am Dienstagabend in beeindruckender Manier Manchester City 2:0 bezwangen und mit nunmehr sechs Punkten die Champions-League-Gruppe A anführen, sind wieder auf dem Radar, wenn es darum geht, welcher Klub die Champions League in dieser Spielzeit gewinnen könnte. Und die Bayern? Die wissen das selbst ganz genau.

So blieben demütige Aussagen der Bayern-Angestellten nach dem Sieg gegen Manchester diesmal aus. „Wenn wir genau so weitermachen, wird uns keiner schlagen“, erklärte etwa Gomez, der mit zwei Abstauber-Toren in der 38. Minute sowie in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit die Partie früh entschied. „In der zweiten Halbzeit haben wir dann wie aus einem Guss gespielt“, zeigte sich auch Trainer Jupp Heynckes beeindruckt. „Im Moment haben wir nicht nur einen super Teamgeist, sondern agieren auch harmonisch, haben eine gute Raumaufteilung und überragende Einzelkönner.“ Sein Gegenüber Roberto Mancini konstatierte dagegen resigniert: „Mit dem zweiten Gegentor war das Spiel gelaufen. Im Moment ist Bayern zu stark für uns.“

Das beeindruckendste am Spiel des Rekordmeisters war die Reaktion auf die schwierige Anfangsphase. Da drückte und kombinierte Manchester City über die millionenschweren Zugänge Samir Nasri und Sergio Aguero, die die Bayern-Defensive wiederholt vor schwierige Aufgaben stellten. „Wir waren ein wenig überrumpelt, weil wir so in dieser Saison noch nicht gefordert waren“, erklärte Gomez. Um die 25. Minute herum dann jedoch die Reaktion der Bayern: Sie drehten das Spiel komplett, angetrieben vom überragenden Franck Ribéry und unter der Regie von Bastian Schweinsteiger. Die Bayern spielten ihren Gegner nun mürbe und hätten durchaus noch häufiger treffen können. Vor allem: Die Münchner Dominanz hielt nicht etwa 15 oder 20 Minuten an – sondern bis zum Schlusspfiff. Als Mancini nach einer Stunde für den entnervten Stürmer Edin Dzeko den defensiven Nigel de Jong auf den Platz brachte, war klar, dass Manchester nicht mehr zurückkommen würde.

Dies hing auch damit zusammen, dass ein anderer gleich ganz die Lust am Mitmachen verlor: der argentinische Stürmer Carlos Tevez. „Carlos hat sich geweigert, aufs Feld zu gehen“, beschrieb Trainer Mancini nach dem Spiel jene Situation Mitte der zweiten Halbzeit, als er Tevez eigentlich ins Spiel bringen wollte. Mancini verkündete verärgert: „Für mich ist das Thema beendet, bei mir wird er nicht mehr spielen.“

Tevez, der Manchester schon seit einiger Zeit verlassen möchte, sah die ganze Geschichte etwas anders. „Es gab einige Verwirrung auf der Bank, und ich glaube, dass meine Haltung möglicherweise missverstanden wurde“, sagte er und beschwichtigte die aufgebrachten Fans: „Ich möchte mich bei allen Fans von Manchester City entschuldigen. Sie verstehen, dass ich, wenn ich auf dem Platz war, immer mein Bestes für den Klub gegeben habe.“ Das klang jedoch nicht nach einem Spieler, der in Manchester noch viel erreichen will – sondern bereits nach wohl formulierten Abschiedsworten.

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