Sport : Routine schlägt Jugend

Der 1. FFC Frankfurt gewinnt das Pokalfinale der Frauen 5:1 gegen Saarbrücken

Berlin - Für Unruhe war es noch zu früh. Um aufzuwachen auch. Als Natalia Budge den Aufsteiger und Außenseiter 1. FC Saarbrücken gegen den Uefa-Cup- Finalisten 1. FFC Frankfurt im Endspiel um den DFB-Pokal in Führung schoss, waren gerade mal vier Minuten gespielt. „Ich hatte keine Angst, es war noch so früh“, sagte Frankfurts Nationalspielerin Conny Pohlers, die den Ball schon in der ersten Minute an die Latte geköpft hatte, beim Nachschuss hatte Budge auf der Linie geklärt. In der elften Minute wehrte Saarbrückens Torhüterin Romina Holz dann auch noch einen Elfmeter von Renate Lingor ab. Doch die Sensation war immer noch 79 Minuten entfernt. Zu viel für die nach der Pause entkräfteten und hilflosen Saarländerinnen. Frankfurts Routiniers siegten 5:1 (1:1) gegen Saarbrückens junges Team und sicherten sich zum siebten Mal den Pokal.

Bundespräsident Horst Köhler überreichte den Pokal an Spielführerin Tina Wunderlich, die bei Frankfurts zehnter Finalteilnahme in Folge zum zehnten Mal die gesamte Spielzeit auf dem Feld stand. „Die leichteste Aufgabe ist oft die schwerste“, sagte Frankfurts Trainer Hans-Jürgen Tritschok, „das haben wir in der ersten Hälfte eindrucksvoll gezeigt.“ Petra Wimbersky traf nach 22 Minuten zum 1:1, doch mit großem kämpferischem Einsatz stoppte Saarbrücken Frankfurts Spielfluss und verhinderte weitere Tore. Erst nach „dem Anschiss des Trainers“ (Pohlers) in der Pause steigerte sich der Favorit. Am Ende war ein Klassenunterschied zu sehen.

Das Jubeln nach dem Abpfiff geriet zunächst zur Formsache, so selbstverständlich wirkte der Triumph. Welch ein Unterschied zum Vorjahr, als Frankfurt nach drei Finalniederlagen in Folge den FCR Duisburg 5:2 nach Elfmeterschießen schlug und nach dramatischem Spiel erstmals wieder triumphierte.

Die frühere Potsdamerin Conny Pohlers, die dreimal mit Turbine das Pokalfinale gegen ihr jetziges Team gewann, traf diesmal nicht gegen, sondern für den 1. FFC Frankfurt: mit einem Kopfball zum 2:1 und mit einem Abstauber zum 4:1. Die weiteren Tore steuerten Kerstin Garefrekes und Birgit Prinz bei. „Vielleicht fängt man nach dem 1:1 an zu träumen“, sagte Saarbrückens Trainer Guido Mey, „aber Frankfurt hat uns schnell in die Wirklichkeit zurückgeholt.“

Die Wirklichkeit bot auch ein anfangs fast leeres, wenig stimmungsvolles Olympiastadion. „Wir hätten lieber ein kleines Stadion gehabt“, sagte Conny Pohlers, „es lag auch am Wetter, die Fans saßen alle noch in der Kneipe.“ Größer als die Enttäuschung über das leere Stadion war die Sorge um Renate Lingor. Die Spielmacherin wurde nach einem Pressschlag vom Platz getragen und mit einem Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus gebracht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar