Sport : Roy Jones jr. verteidigt heute seine Titelsammlung in New York gegen David Telesco

Gunnar Meinhardt

Die beiden Boxprofis hätten zumindest verbal bestens zueinander gepasst. In der Respektlosigkeit gegenüber seinen Kontrahenten steht Roy Jones jr. dem Berliner Graciano Rocchigiani mit keiner Silbe nach. "Wer ist dieser Telesco? Er hat nichts geleistet, um gegen mich eigentlich antreten zu dürfen. Ich frage mich deshalb, warum ich mit ihm meine Zeit sinnlos vergeude", tönte der Weltmeister im Halbschwergewicht vor seiner heutigen Titelverteidigung in New York gegen seinen Landsmann David Telesco.

Die Frage ist leicht zu beantworten. Dem übertragenden Kabelsender HBO war das "Entfant terrible" aus Deutschland für seine Kunden zu unattraktiv. Denn ursprünglich sollte "Rocky" in der Radio City Music Hall in den Ring klettern, damit endlich Klarheit in die Verwirrung um den Titel des World Boxing Councils (WBC) kommt.

Noch immer wird Rocchigiani, der nun am 15. April in Hannover zur Revanche gegen den Weltmeister der World Boxing Organization (WBO), Dariusz Michalczewski, antritt, bei der WBC als Interims-Titelträger geführt. Das jedoch juckt den gern als weltweit besten Preisboxer betitelten Jones jr. nicht im Geringsten. "Ich bin der Champion, niemand anders. Und ich werde es bleiben", versicherte der farbige US-Boy aus Florida, der auch bei der World Boxing Association (WBA), der Internationalen Boxing Federation (IBF) und neuerdings bei der unbedeutenden Internationalen Boxing Organization (IBO) den Thron inne hat. Inwiefern die Sachlage bei der WBC rechtmäßig ist, soll am 29. Januar bei einem Meeting in Miami entschieden werden.

Bereits am 6. November sollte Rocchigiani in Biloxi auf Jones treffen. Doch auch dieses Duell platzte unter fadenscheinigen Gründen, woraufhin der einstige Weltmeister im Supermittelgewicht beim Bundesgericht in New York eine zweite Klage gegen die WBC einreichte. Schließlich trägt der Weltverband mit Sitz in Mexiko City die alleinige Schuld an der konfusen Situation. Er erkannte "Rocky" den im März 1998 gegen den Amerikaner Michael Nunn erkämpften Gürtel am grünen Tisch ab, als Jones jr. in seine angestammte Kategorie zurückgekehrte. Der Faustkämpfer hatte im November 1997 den Titel freiwillig niedergelegt, um im weitaus besser entlohnten Schwergewicht auf Trophäenjagd zu gehen. Dieses Ansinnen lies er jedoch bald wieder fallen.

Der in 41 Kämpfen einmal unterlegene Jones jr. ignoriert aber nicht nur Rocchigiani. Auch Michalczewski, von dem er in einem offenen Brief zum Fight aufgefordert wurde, ist für ihn nicht existent. Eine Antwort ist er dem ungeschlagenen "Tiger" aus dem Hamburger Universum Boxstall bis heute schuldig. Statt sich einem von beiden zu stellen, spekuliert er erneut mit einem Wechsel in die Königsklasse - weil ihm in seinem Limit angeblich wieder die ebenbürtigen Gegner ausgegangen sind. "Geht und schaut euch um", meinte er selbstherrlich: "Es ist niemand da".

Der 31-jährige Telesco (23 Siege/2 Niederlagen), der zwischen 1994 und 1996 wegen Kokainhandels hinter Gitter saß, sei auch nur eine Notlösung, behauptet jedenfalls Jones Jr., der vor sieben Monaten mit einem Punktsieg gegen Reggie Johnson (USA) erstmals seit 14 Jahren alle bedeutenden Titel vereinigte.

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