Ruder-WM : Treibholz stoppt Hacker

Marcel Hacker hat bei der Ruder-WM in Japan durch unglaubliches Pech eine Medaille verpasst. Sein Boot wurde von Treibholz beschädigt. Ein Protest des Deutschen Ruderverbandes wurde abgewiesen.

Gifu/Japan (03.09.2005, 18:35 Uhr) - Ein Treibholz hat Marcel Hacker bei der Ruder-WM um eine mögliche Medaille gebracht. Im Endlauf der Titelkämpfe auf dem Nagara-Fluss in Gifu/Japan kollidierte der Einer-Ruderer aus Frankfurt am Main am Samstag bei 750 Metern mit dem im Wasser schwimmenden Hindernis und fuhr knapp 20 Sekunden hinter dem neuen Weltmeister Mahe Drysdale aus Neuseeland abgeschlagen als Sechster ins Ziel. Der vom Deutschen Ruderverband (DRV) eingelegte Protest wurde wenige Stunden später abgewiesen. «Ich bin mit voller Geschwindigkeit auf das Holz gefahren und habe einen solchen Schlag gespürt, dass ich dachte, mein Boot fällt auseinander», klagte Hacker über das Missgeschick, bei dem die Finne am Bootsrumpf abgerissen wurde.

Die Bronzemedaille im Doppelzweier durch das Duo Christian Schreiber (Halle/Saale) und Rene Burmeister (Rostock) konnten DRV-Sportdirektor Michael Müller nur wenig über das Pech im Skiff-Rennen hinwegtrösten. Hacker musste seinen demolierten Einer stoppen und neu ausrichten, ehe er das Rennen wieder aufnahm. Doch er war dermaßen weit zurückgefallen, dass für den Medaillenanwärter am Ende nicht mehr als Platz sechs heraussprang.

Der Weltmeister von 2002 lag zum Zeitpunkt des Crashs mit dem Holz auf einem aussichtsreichen dritten Rang und wähnte sich auf einem guten Weg: «Ich hatte mich so gut gefühlt, dass ich den Angriff auf Gold hätte schaffen können.» Stattdessen übernahm der Neuseeländer Mahe Drysdale die WM-Krone im Einer. Er hatte das Rennen über die gesamte Distanz von 2000 Metern kontrolliert. Silber ging an Olympiasieger und Titelverteidiger Olaf Tufte, Bronze gewann der Tscheche Ondrej Synek.

Einmal mehr gerieten die Bedingungen bei der ersten WM in Asien in die Kritik. Kurz vor Beginn der WM war die Strecke nach einer Taifun-Warnung komplett abgebaut worden. «Wir haben schon vor Tagen bei der FISA bemängelt, dass Gegenstände wie Holz oder Plastiktüten im Wasser herumschwimmen. So etwas ist für Athleten höchst gefährlich», erregte sich Hacker-Trainer Andreas Maul.

Der DRV hatte direkt nach dem Rennen Protest beim Weltverband gegen die Wertung eingelegt. Dieser wurde nach Auswertung der Fernseh-Bilder und des Bootschadens abgewiesen. Die FISA begründete ihre Entscheidung damit, dass Hacker als Zeichen des Protestes während des Rennens oder direkt nach Zieldurchfahrt die Hand hätte heben müssen. Im Ziel war er aber kollabiert und musste ärztlich behandelt werde. Sportdirektor Müller akzeptierte die Entscheidung, betonte aber: «Ich bin der Auffassung, dass der Athlet wahrheitsgemäß beschrieben hat, was passiert ist.»

Über die erste deutsche Medaille konnte sich der DRV kurz nach dem unglücklichen Einer-Rennen freuen. Schreiber/Burmeister belegten im Doppelzweier Platz drei hinter Slowenien und Italien und gewannen Bronze. Anders als am ersten Finaltag, den die Neuseeländer mit vier Siegen dominierten, wollen die deutschen Ruderer am Sonntag die Schlagzahl vorgeben. Die Startzeiten wurden wegen angekündigter weiterer Wetterkapriolen nach vorn verschoben. Der DRV hat gleich mehrere heiße Eisen im Feuer. Darunter ist der Deutschland-Achter, der um 5.00 Uhr (MESZ) aufs Wasser geht.

Für den gefrusteten Hacker gab es zumindest eine gute Nachricht: Der Weltverband FISA entschied, die aufgestellten Weltbestzeiten auf dem Nagara-Fluss auf Grund der starken Strömung nicht offiziell zu übernehmen. Tuftes Fabelzeit aus dem Halbfinale bleibt damit inoffiziell und Hackers Weltbestzeit von der WM 2002 in Sevilla bestehen. (Von Thomas Becker, dpa)

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