Rudern als Leistungssport : Viel Training, viel Spaß

Rudern, rudern, rudern: Unser 14 Jahre alter Schülerpraktikant trainiert fast täglich. Und hat viel Freude an seinem Leistungssport - ein Erlebnisbericht.

Bela Winde
In Berlin stimmt die Kulisse. Der Vierer mit Autor.
In Berlin stimmt die Kulisse. Der Vierer mit Autor.Foto: promo

Als Ruderer in der Trainingsriege, also beim Leistungssport, wird man oft gefragt, wieso man so häufig in der Woche trainiert. Und das obwohl die meisten vergleichsweise noch sehr jung sind. Vor allem im Winter ist das ja eine ganz schöne Überwindung. Meistens ist die Antwort die gleiche: Alle wollen besser werden. Wer so häufig zum Training geht ist nämlich auch bei Wettkämpfen dabei, welche selbst im Winter auf sogenannten Ergometern ausgetragen werden. Das sind Trockenrudergeräte, an denen meistens ein kleiner Bildschirm angebracht ist auf dem sämtliche Schlagzahlen, Wattwerte und Zeiten angezeigt werden. Das Wintertraining dient als Verbesserung für den Sommer, in welchem die größeren Regatten (also Ruderwettkämpfe) ausgetragen werden.

Aber fünfmal die Woche auf dem Ergo trainieren? Wo bleibt die Abwechslung? Natürlich trainiert man nicht nur auf dem Ergo. Krafttraining und Kastenrudern sorgen für genügend Abwechslung im Trainingsplan. Beim Kastenrudern sitzt man – meist in einer Sporthalle – in einem bootsähnlichen Kasten und rudert in großen Becken, leider ohne voran zu kommen. Zudem wird am Wochenende auch auf dem Wasser gerudert. Frühmorgens legt man vom Steg ab und rudert trotz der kalten Januar-Temperaturen rund zwei Stunden. Bei fünfmal Training pro Woche sollte man sich natürlich einen Ruderverein in der Nähe suchen um den Zeitaufwand so gering wie möglich zu halten. Nebenbei geht man ja auch noch in die Schule und wenn die Noten allzu schlecht sind kann man sich so häufiges Training auch nicht erlauben.

Und meistens kommt dazu, dass die Eltern nicht immer einverstanden sind, ihren Nachwuchs fünfmal pro Woche zum Training und an den Wochenenden zu sämtlichen Regatten zu fahren. Darum fahren viele Jugendruderer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrem Verein. Die Sportler haben meist schon Glück, wenn die Eltern nicht dagegen sind ihr Kind überhaupt so oft zum Training zu lassen. Das kostet meistens alle Überredenskünste.

Zieh! Unser Autor Bela Wilde bei der (Trainings-)Arbeit.
Zieh! Unser Autor Bela Wilde bei der (Trainings-)Arbeit.Foto: dpa

Auch andere Hobbys kommen manchmal etwas kurz. Obwohl die meisten jüngeren  Leistungssportler aussagen, dass es zeitlich überraschend gut geht mit häufigen Trainingsstunden. Wenn die Schulnoten entsprechend sind, dass man außerhalb des Unterrichtes nicht allzu viel für die Schule tun muss hat man natürlich Glück und genügend Zeit, um zum trainieren. Und für Wettkämpfe muss man viel trainieren. Wenn ein Sportler sagt er kann den Verein nur zweimal in der Woche besuchen, wird er zu den wichtigeren Regatten nicht gemeldet.

In Berlin gibt es fast 50 aktive Rudervereine und vor allem für Jugendliche ist der Mitgliedsbeitrag gering

Das allerwichtigste beim häufigen Trainieren ist natürlich der Spaß an der Sache. Wenn man keinen Spaß an seinem Sport hat sollte man es gleich bleiben lassen. Ganz auszusteigen ist aber nicht die einzige Alternative.

Neben dem Wettkampfrudern gibt es nämlich auch noch das Wanderrudern, bei dem häufiges Trainieren nicht notwendig ist. Vielmehr geht es dabei darum in längeren Zeitspannen längere Distanzen zurückzulegen. Dabei werden keine schmalen Renneiner genutzt sondern häufig breitere - sogenannte Gigboote – gefahren, und zwar größtenteils Vierer und Achter. Häufig wird auch an Land in Zelten oder Herbergen übernachtet und tatsächlich von einem Ort zum anderen gerudert, also anders als beim Leistungssport wird Rudern als Fortbewegungsmittel genutzt. Viel Schulen haben eigene Vereine für das Wanderrudern und führen regelmäßig Wanderfahrten und Regatten durch.

Es gibt auch viele Kooperationen zwischen Schulen und eigenständigen Rudervereinen. Dann rudert zum Beispiel ein Schulvierer in einem Ruderverein, das Boot wird vom Verein zur Verfügung gestellt und der Trainer ist nicht selten ein Lehrer an der Schule. Als Gegenleistung wirbt der Verein auf diese Weise neue Mitglieder an.

Alles in allem ist Rudern ein Sport der alle Hauptmuskelgruppen gleichmäßig trainiert, ganz zu schweigen von den im Krafttraining enthaltenen Übungen welche die kleineren Muskelgruppen noch individuell fördern. Außerdem ist es eine der wenigen Sportarten die man bis ins hohe Alter weiterführen kann, und welche auch vorbeugend oder akut gegen Krankheiten helfen kann wie zu Beispiel gegen Krebs. Da neben den Muskelgruppen auch Herz, Ausdauer und Kreislauf trainiert werden, und das Verletzungsrisiko relativ gering ist, ist der Sport auch Erkrankten sehr zu empfehlen.

Rudern ist der perfekte Sport für Trainingsbegeisterte sämtlicher Altersklassen sowie für diejenigen die einen Ausgleichssport suchen. Allein in Berlin gibt es fast fünfzig aktive Rudervereine und vor allem für Jugendliche ist der Mitgliedsbeitrag geradezu lächerlich gering. Während dieser bei Fußballverein durchaus mal fünfzig Euro im Monat beträgt, sind es bei den mir bekannten Rudervereinen meist nicht einmal zwanzig Euro monatlich. Also einfach mal ausprobieren.

- Bela Winde (14) hat beim Tagesspiegel ein Schülerpraktikum absolviert

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